Ida Einstein, geb. Schlossberger

Geboren:
01.06.1890, Unterdeufstetten/Baden-Württemberg
Gestorben:
Todestag nicht bekannt, Auschwitz

Wohnorte

Unterdeufstetten
Crailsheim
Augsburg, Ulmer Straße 185
Augsburg, Ulmer Straße 207

Letzter freiwilliger Wohnort

Orte der Verfolgung

Deportation
am 8. oder 9. März 1943
von Augsburg
über München-Berg am Laim
nach Auschwitz

Erinnerungszeichen

Am 28. Juni 2017 wurde ein Erinnerungsband für Ida und Isak Einstein in der Ulmer Straße 185 angebracht.

Biografie

Ida Schlossberger kam am 1. Juni 1890 als fünftes von sieben Kindern der Eheleute Ernestine und Simon Schlossberger in Unterdeufstetten, im heutigen Baden-Württemberg, zur Welt.1 Nur vier ihrer Geschwister überlebten das Kleinkindalter.2 Die Familie zog nach Crailsheim, das genaue Umzugsdatum lässt sich nicht feststellen.3

Isak Einstein, 1939. (Steven Anson, Glasgow/Großbritannien)

Am 16. Juni 1912 heiratete Ida den Viehhändler Isak Einstein aus Kriegshaber und zusammen zogen sie in die Ulmer Straße 185.4 Durch die Trauung mit Isak Einstein wurde sie Teil der großen Kriegshaber Einstein-Familie. Diese war aufgrund der von Isaks Vater Simon gegründeten Viehhandlung in Schwaben sehr bekannt.5 Ihre Schwester Mina hatte schon 1911 Isaks Bruder Hermann geheiratet. Ida und Mina bekamen beide 1916 eine Tochter: Ida Beate und Mina Brunhilde.6 Idas Tochter Beate erfuhr während ihrer Schulzeit von 1922 bis 1933 keine antisemitische Ausgrenzung.7

Ida und Beate Einstein, 1918.(Steven Anson, Glasgow/Großbritannien)

Von dem nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten durchgeführten Aprilboykott von jüdischen Geschäften 1933 war die Viehhandlung Einstein nicht betroffen. Aber in den darauffolgenden Jahren kam es zu immer größeren Umsatzeinbußen.8 Von den Folgen der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 war die Familie Ida und Isak Einstein unmittelbar betroffen. Die Tochter Beate wurde fristlos entlassen, zwei Brüder von Isak wurden verhaftet.9 Außerdem wurden die Einsteins gezwungen, die Viehhandlung aufzugeben sowie einige Grundstücke zu einem sehr niedrigen Preis zu verkaufen.10 Nach diesen Erfahrungen hofften die Einsteins auf eine Gelegenheit, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Beate konnte, wie auch ihre Cousine Brunhilde, 1939 nach Großbritannien auswandern.11 Die Einstein-Brüder versuchten gemeinsam zu emigrieren, doch verhinderten Einwanderungsbedingungen wie z. B. der Übertritt zum Katholizismus in Südamerika dieses Vorhaben für die gläubigen jüdischen Familien. Idas Schwager Moriz und seine Frau Lydia entschlossen sich deshalb, ihre Kinder mit einem sogenannten Kindertransport nach Großbritannien zu schicken.12 Für die in Nazideutschland Verbliebenen wurde die Lage immer bedrohlicher. Das Auswanderungsverbot vom Oktober 1941 zerstörte die Chance einer Flucht endgültig.13

Ida und Isak Einstein.(Steven Anson, Glasgow/Großbritannien)

Viele Augsburger Juden wurden zu Zwangsarbeit verpflichtet, darunter auch Ida, die seit April 1942 in der Ballonfabrik Augsburg arbeiten musste.14 Im November 1941 begannen die Deportationen aus Augsburg. Als erstes traf es zwei von Isaks Brüdern, die im April 1942 nach Piaski verschleppt wurden.15 Auch Idas Mutter Ernestine und ihr Bruder Siegfried wurden deportiert.16 Die bis dahin in Kriegshaber verbliebenen Mitglieder der Familie Einstein wurden innerhalb der nächsten Monate aus ihren Wohnungen vertrieben und mussten in sogenannte Judenhäuser ziehen.17 Als Idas und Isaks letzter Wohnsitz ist im entsprechenden Polizeibogen im Stadtarchiv Augsburg das Judenhaus in der Ulmer Straße 207 eingetragen.18

Am 8. oder 9. März 1943 wurden auch Ida und Isak sowie Isaks zwei noch in Kriegshaber verbliebenen Brüder mit deren Ehefrauen von Kriegshaber nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.19

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die von Rebecca Listle, Schülerin des Oberstufenjahrgangs 2013/2015 am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, im Rahmen des W-Seminars „Opfer der Judenverfolgung während der NS-Zeit im Raum Augsburg“ im Fach Geschichte erarbeitet wurde.

Angehörige
Fußnoten
  1. StadtACr, Auszug aus dem Familienregister Band 7 für die Familie Schlossberger (Dokument aus einer E-Mail des Stadtarchivs Crailsheim vom 17.9.2014).
  2. Ebd.
  3. StadtACr, Auszug aus dem Erinnerungsbuch an die Opfer der NS-Verfolgung in Crailsheim für Ernestine Schlossberger (Dokument aus einer E-Mail des Stadtarchivs Crailsheim vom 17.9.2014).
  4. StadtAA, FB Isak Einstein, 7.03.1884.
  5. Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat." Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (Lebenslinien. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Bd. 5), Augsburg 2012, S. 13. 
  6. Ebd., S. 11.
  7. http://www.gatheringthevoices.com/testimonies/pat-anson1 (aufgerufen am 27.10.2014).
  8. Monika Müller, 2012, S. 27.
  9. http://www.gatheringthevoices.com/testimonies/pat-anson1 (aufgerufen am 27.10.2014).
  10. Monika Müller, 2012, S. 32.
  11. http://www.gatheringthevoices.com/testimonies/pat-anson1 (aufgerufen am 27.10.2014); Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941 – 1949 (Material zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007, S. 208 und 210.
  12. Monika Müller, 2012, S. 33.
  13. Ebd., S. 44f.
  14. Ebd., S. 45.
  15. Ebd., S. 46.
  16. https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de966133 (aufgerufen am 12.11.2015); http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de966149, (aufgerufen am 28.10.2014).
  17. Ebd., S. 46.
  18. StadtAA, MK Isak Einstein.
  19. Monika Müller, 2012, S. 47;Maximilian Strnad, Zwischenstation "Judensiedlung". Verfolgung und Deportation der jüdischen Münchner 1941 – 1945 (Studien zur jüdischen Geschichte und Kultur in Bayern, Bd. 4), München 2011, S. 140 .
Quellen- und Literaturverzeichnis
Veröffentlichte Quellen:

Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941 – 1949 (Material zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007.

Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat." Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (Lebenslinien. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Bd. 5), Augsburg 2012.

Maximilian Strnad, Zwischenstation "Judensiedlung". Verfolgung und Deportation der jüdischen Münchner 1941 – 1945 (Studien zur jüdischen Geschichte und Kultur in Bayern, Bd. 4), München 2011.

Internet: