Minna Wolf, geb Grünebaum. (Privat)

Minna Wolf, geb. Grünebaum

Geboren: 14.11.1890, Hellstein/Hessen

Gestorben: Datum nicht bekannt, Auschwitz

Wohnorte

Hellstein/Hessen
Augsburg, Bahnhofstraße 18
Augsburg, Hermanstraße 3
Augsburg, Hochfeldstraße 31

Orte der Verfolgung

Deportation
am 8. oder 9. März 1943
von Augsburg
über München-Berg am Laim
nach Auschwitz

Weitere Informationen

Minna Wolf, geb. Grünebaum

Minna Wolf wurde am 14. November 1890 in Hessen geboren.1 In dem Dorf Hellstein bei Frankfurt, in welchem es zu dieser Zeit eine jüdische Gemeinde gab, wuchs sie gemeinsam mit drei weiteren Schwestern in einfachen Verhältnissen auf. Ihre Eltern betrieben dort eine Landwirtschaft und eine koschere Metzgerei.2

Sie heiratete Gustav Wolf.3 Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes zog sie während ihrer Schwangerschaft zu der in Augsburg lebenden Schwester Regina.4 In Augsburg brachte sie ihre Tochter Auguste Anne (geb. 20.04.1922) zur Welt.5

Minna Wolf und ihre Tochter lebten fortan zusammen mit Regina Landmann und deren Familie (Ehemann Joseph und die drei gemeinsamen Kinder Heinz, Irma und Johanna) in einem gemeinsamen Haushalt. Sie bewohnten in den 1920er Jahren ein Apartment in der Bahnhofstrasse 18 und zogen später in die Hermanstraße 3.6

Familie Landmann mit Minna Wolf stehend in der Mitte, um 1925. (Privat)

 

Minna Wolf betrieb in Augsburg ein Schuhgeschäft. Das Augsburger Einwohnerbuch von 1931 verzeichnet die Geschäftsadresse Metzgplatz/Sterngasse 1.7

Späterer fand ein Umzug des Geschäftes statt. Im Augsburger Einwohnerbuch für das Jahr 1934 wird das Schuhgeschäft von Minna Wolf, zusammen mit dem Geschäft von Joseph Landmann, Fell- und Rauhwaren, unter der gemeinsamen Adresse Ravenspurgerstraße 41 geführt.8

Das Schuhgeschäft von Minna Wolf, Metzgplatz/Sterngasse 1. (Privat)

 

Nach der Aussage ihres Neffen Heinz Landmann hatte sie ihr Schuhgeschäft schon „früh“ aufgegeben.9 Die genauen Umstände sind unbekannt.

Nachdem die alltägliche Diskriminierung jüdischer Mitbürger immer mehr zugenommen hatte und von zahlreichen staatlichen Ausgrenzungs- und Arisierungsmaßnahmen, Enteignungen und Gewaltanwendungen begleitet wurde, konnte ihre Tochter Anne Auguste am 03.05.1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden.10 Sie siedelte später von dort aus in die USA über. Allen weiteren Angehörigen der Augsburger Familie gelang im Verlauf des Jahres 1939 die Flucht in die USA.

Minna Wolf war als einzige der Familie gezwungen in Augsburg zu verbleiben. Sie erhielt bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges am 01. 09.1939 keine Ausreisegenehmigung.11 Als ihr  letzter freiwilliger Wohnort in Augsburg ist die Hermanstraße 3 anzusehen.

Zwischen dem 10.11.1941 und dem 03.03.1943 musste sie in der Augsburger Ballonfabrik Zwangsarbeit leisten.12

Die Deportationslisten aus Bayern verweisen darauf, dass Minna Wolf im März 1943 aus Augsburg deportiert wurde. Ihre letzte Wohnadresse wird dort mit Hochfeldstr.31 angegeben.13

Vor ihrer Deportation übergab Minna Wolf einen Koffer mit verbliebenen Habseligkeiten an Herrn und Frau Hans, wohnhaft in der Ravenspurgerstr. 41. Bei dem Ehepaar handelte es sich um die christlichen Vermieter der dortigen Geschäftsräume. Sie bewahrten den Koffer über den Krieg hinweg auf.

Als Ende April 1945 Heinz Landmann als Soldat der US Army in Augsburg nach seiner Tante Minna Wolf suchte, führte ihn sein Weg dorthin. Er konnte nur noch ihren Koffer in Empfang nehmen.14

Minna Wolf wurde in Auschwitz ermordet.15

Maria Kastner

  1. Entgegen den Angaben in einer Veröffentlichung der Maria Theresia Schule („Spuren“, siehe Literaturverzeichnis unter Peter Wolf), in welcher das Geburtsjahr 1889 angeben wird, wurde hier das Geburtsdatum nach den übereinstimmenden Angaben der Angehörigen in den USA übernommen.
  2. Archiv USHMM Collection, Henry Landman papers, Series 7, Writings, Biography, S. 23.
  3. Namensangabe der Angehörigen in den USA.
  4. Visual History Archive USC Shoah Foundation, Henry Landman, Interview 16769. (zur Bearbeitung wurde von mir auf meine unveröffentlichte Transkription des Interviews aus dem Jahr 2018 zurückgegriffen).
  5. Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941–1949 (Material zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007, S. 383 (Eintrag: Anne Auguste (Gusti) Wolf, verh. Weil).
  6. Visual History Archive USC Shoah Foundation, Henry Landman, Interview 16769.
  7. Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1931, Augsburg 1931, Eintrag Landmann, Joseph, S. 259.
  8. Einwohnerbuch der Stadt Augsburg1934, Augsburg 1934, Eintrag Landmann, Joseph.
  9. Visual History Archive USC Shoah Foundation, Henry Landman, Interview 16769.
  10. Gernot Römer, 2007, S. 383 (Eintrag: Anne Auguste (Gusti) Wolf, verh. Weil).
  11. Ebd.
  12. Ebd.
  13. Deportationslisten aus Bayern: Deportation aus Augsburg März 1943, letzte Seite, ganz unten. <https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_43a.html>.
  14. Visual History Archive USC Shoah Foundation, Henry Landman, Interview 16769.
  15. Gernot Römer, 2007, S. 383 (Eintrag: Anne Auguste (Gusti) Wolf, verh. Weil).

Archive USHMM (United States Holocaust Memorial Museum) Collection
– Henry Landman papers, Accession Number: 1997.A.0175.1, RG Number: RG-10.476, https://collections.ushmm.org/search/

Stadtarchiv Augsburg
Meldebögen (MB):
– Joseph Landmann

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1931, Augsburg 1931.

Einwohnerbuch der Stadt Augsburg 1934, Augsburg 1934.

Deportationslisten aus Bayern: Deportation aus Augsburg März 1943, letzte Seite, ganz unten, Wolf, Mina, <https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_43a.html>

Visual History Archive USC Shoah Foundation
– Henry Landman, Interview 16769, Visual History Archive, USC Shoah Foundation, <https://sfi.usc.edu>. (Stand 16.11.2020: Das Interview ist dort derzeit nicht mehr zugänglich, die Bilder sind weiterhin abrufbar. Das Video ist an der Freien Universität Berlin für Mitglieder der Universität zugänglich, ebenso im NS-Dokumentationszentrum München).

Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941–1949 (Material zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007.

Peter Wolf (Hg.), Spuren. Die jüdischen Schülerinnen und die Zeit des Nationalsozialismus an der Maria-Theresia-Schule Augsburg. Ein Bericht der Projektgruppe Spurensuche des Maria-Theresia-Gymnasiums, Augsburg 2005.