Mallersdorf
Augsburg-Oberhausen
Augsburg, Körnerstraße 1
Inhaftierung im Gefängnis Landsberg bis 09.07.1935
09.07.1935 - 27.09.1939 im KZ Dachau (HNr. 7823)
27.09.1939 - 02.03.1940 im KZ Flossenbürg
02.03.1940 - 10.11.1944 im KZ Dachau (HNr. 1106)
Josef Wagner, von seinen Freunden Sepp genannt, wurde am 13.4.1896 in dem niederbayerischen Ort Mallersdorf als Sohn von Josef Wagner, geb. 1875 in Pfakofen. und Elisabeth Schindlbeck, geb. 1874 in Sünching, geboren. Die Großfamilie (10 Kinder, 3 starben im Kleinkinderalter) kam 1910 nach Oberhausen (heute zu Augsburg gehörend). Durch Kinderarbeit lernte er schon mit 11 Jahren Ausbeutung und Ungerechtigkeit kennen.
Während des ersten Weltkrieges (1914–1918) wurde er bereits mit 19 Jahren als Soldat (16. Fußartillerie-Regiment) an die Front geschickt. Nach seiner Entlassung am 20.1.1919 wohnte er zunächst bei seinen Eltern. Am 13.7.1920 heirate er Kreszenz Stückl, geb. 27.9.1896 Oberhausen.
Das Kriegserlebnis war ausschlaggebend, dass er sich der Arbeiterbewegung angeschlossen hat. Sepp Wagner wurde 1919 Mitglied der USPD, ein Jahr später trat er in die KPD über. Während der Staatskrise im Oktober 1923 beteiligte er sich an Aktivitäten der KPD. Dies führte im Januar 1924 zur Verhaftung und Verurteilung. Nach der „Hindenburg-Amnestie“ kam er 1925 frei.
1929 zog das Ehepaar in die Körnerstraße 1.
Als Kandidat seiner Partei wurde er in den Augsburger Stadtrat und 1932 in den Bayerischen Landtag gewählt.
Seit seinem 16. Lebensjahr war Sepp Wagner gewerkschaftlich organisiert. Er arbeitete als Maschinenschlosser bei der Firma Riedinger-MAN. Er wurde zum 2. Betriebsrat gewählt. Für die 6000 Belegschaftsmitglieder erschien damals die beliebte Betriebszeitung „Die Zange“, deren Redakteur und Herausgeber Sepp Wagner war.

Wie alle Antifaschist*innen war auch Sepp Wagner dem Terror der Nazis ausgesetzt. Am 20.4.1933 wurde er verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 2 ¼ Jahren Gefängnishaft verurteilt.

Im Anschluss an die Haft erfolgte auf Anweisung der Augsburger Gestapo die Verschleppung ins KZ Dachau.
Kurz vor der Niederlage des deutschen Faschismus wurde Sepp Wagner zusammen mit anderen Kameraden zu der SS-Sondereinheit Dirlewanger rekrutiert (10.11.1944). Eingekleidet und mit einem Karabiner ohne Munition kamen sie zunächst mit dem Zug in das Strafbataillon in der Slowakei. Dort erfolgte eine kurze militärische Ausbildung und mit dem LKW ging es dann an die Front in der Nähe von Budapest. Mit 18 anderen Kameraden gelang es ihm, zur Roten Armee überzulaufen (15.12.1944). In Focşani – in den östlichen Karpaten in Rumänien – wurde er Leiter eines antifaschistischen Klubs in einem Durchgangslager für Kriegsgefangene.
Durch die gesundheitlichen Schäden aufgrund der 12-jährigen Haft verstarb Sepp Wagner am 6.12.1946.
Am 12. Oktober 2022 wurde für Josef Wagner ein Stolperstein verlegt: Körnerstr. 1 (Augsburger Str. 5 1/2)
Text und Bilder übernommen von der Stolpersteininitiave.
Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung
(https://stolpersteine-augsburg.de/)
– Foto: Stolperstein
Erinnerungsblatt 4/2022 zusammengestellt durch Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg: http://www.vvn-augsburg.de