Sigmund (Sigi) Weber

Geboren: 18.12.1921, Augsburg

Gestorben: 14.01.1999, Kapstadt/Südafrika

Wohnorte

Augsburg-Lechhausen, Neuburger Straße 26
Augsburg-Lechhausen, Waterloostraße 8
Salisbury/Südrhodesien (heute: Harare/Simbabwe)
Gwelo/Südrhodesien (heute: Gweru/Simbabwe)
Gatooma/Südrhodesien (heute: Kadoma/Simbabwe)
Kapstadt/Südafrika

Weitere Informationen

Sigmund war das jüngste Kind der Webers. Er wollte und hatte zunächst die Freiheit etwas anderes zu lernen als Vater und Geschwister. 1933-1936 besuchte er eine Vorbereitungsschule für zukünftige Rabbiner (Burgpreppach). Sein inniges Verhältnis zu Gott und den Gebräuchen des jüdischen Glaubens kann man in seinen Erinnerungen in dem Mitteilungsblatt seiner Gemeinde zu Rosh Hashana 1991 spüren. Durch die Herrschaft der Nationalsozialisten und deren offen antisemitische Gesetzgebung konnte Sigmund seinen Berufswunsch nicht weiterverfolgen. Kurze Zeit war er an einer Handelsschule, bis der Schulbesuch jüdischen Schülern grundsätzlich verboten wurde. Er begann dann 1936 wohl notgedrungen eine Schneiderlehre bei seinem Vater.

Sigmund emigrierte im Dezember 1938 mit der „Pretoria“ über Kapstadt nach Salisbury/Südrhodesien. Dort fand er eine Anstellung bei seinem Schwager Richard Mendelsohn. Im September 1939 meldete sich Sigmund freiwillig zum Dienst in der südrhodesischen Armee. Doch aufgrund seines deutschen Passes wurde er nur als Wärter in einem Internierungslager für Deutsche und Irakis eingesetzt. 1946 quittierte er den Dienst, arbeitete ein Jahr in Gwelo, dann als Vertreter für seine Brüder Wilhelm und Arthur, bevor er sich in Gatooma niederließ und selbst ein Herrenbekleidungsgeschäft „ Elite Outfitters“ eröffnete.

Im Januar 1951 heiratete er die aus Speyer stammende Lieselotte Böttigheimer. Sigmund hatte sie kennengelernt, weil Lieselotte ihren Bruder in Rhodesien besuchte. Lieselotte lebte als jüngstes Kind noch bei ihren Eltern, als die Familie im Oktober 1940 in aller Frühe abgeholt, ins Sammellager Landau und mit vielen Juden aus der Pfalz und Baden nach Gurs deportiert wurde. Nach ca. einem Jahr kam sie nach Rivesaltes in der Nähe von Sete. JOINT, einer amerikanischen jüdischen Hilfsorganisation, gelang es 1942 sechs Mädchen zunächst in einem Jugendheim unterzubringen. Als dann auch aus dem unbesetzten Frankreich immer mehr Deportationszüge in die Vernichtungslager im Osten rollen, wurden die Mädchen mit falschen Papieren in Familien als Haushaltshilfen versteckt. Lieselotte überlebte als Lucienne Berger in Lyon. Auch die anderen fünf wurden so gerettet. Der älteste Bruder tauchte in Speyer unter, nachdem er nach dem Novemberpogrom in Dachau inhaftiert war. Eine Schwester emigrierte schon 1936 nach Südafrika, ein Bruder reiste 1938 aus, die zweite Schwester Anfang 1939. Lieselottes Eltern überlebten, weil ihr Transport nach Auschwitz verschoben worden war: zu alt! 1947 konnten sie zu Ihren Kindern ausreisen.

Lieselotte arbeitete nach der Befreiung zunächst als Krankenschwester, bis sie 1950 ihr Permit zur Einreise nach Südafrika bekam. Sigmund und Wilhelm erbten, was die Webers als sogenannte Wiedergutmachung für eingezogenes Vermögen, unangemessene Steuern und Ausgleich für unter Zwang verkauften Grund- und Immobilienbesitz in Vergleichen erstritten. 1952 bzw. 1953 hatten Arthur und Leni zugunsten von Sigmund auf ihr Erbe verzichtet.

Sigi Weber kümmerte sich in Gatooma um die Shul (Synagoge) und zur Purim Zeit las er die Megillah dort oder in einem Gebetshaus in Salisbury. Im Januar 1968 zog Sigmunds Familie nach Kapstadt. Die politische Situation in Rhodesien wurde schwierig, Sigmund wurde Mitinhaber der Firma „Dafna Overalls“ Berufskleidung in Kapstadt.

Lieselotte und Sigmund bekamen einen Sohn David und eine Tochter Sophie Miriam, benannt nach den Großeltern Weber. Sigmund behielt weiter seinen deutschen Pass, auch für seine Kinder. Er besuchte mit seiner Frau das Ehepaar in Lyon, das Lieselotte versteckt hatte. Anscheinend versuchte er auch in der alten Heimat wieder eine jüdische Gemeinde aufzubauen. Ob er dazu und wann er eventuell in Augsburg war, ist unbekannt. Sigmunds Versuche misslangen. Er kehrte nach Südafrika zurück. Im Meldebogen von David Weber ist mit Datum vom 17. Juli 1958 eine Adresse in Kapstadt notiert. Dort wohnte Arthur. Sigmund Weber starb 1999 in Kapstadt.

Ruth Sander

Arthur (Adi) Weber

Geboren

13.02.1912

Gestorben

21.09.1984

Letzter freiwilliger Wohnort

David Weber

Geboren

01.09.1879

Gestorben

05.11.1952

Letzter freiwilliger Wohnort

Leni Henriette Weber

Geboren

22.12.1916 (1918)

Gestorben

30.04.2014

Letzter freiwilliger Wohnort

Sophie (Sofia, Sofie) Weber, geb. Ullmann

Geboren

05.01.1885

Gestorben

11.12.1949

Letzter freiwilliger Wohnort

Wilhelm (Willy) Weber

Geboren

14.10.1910

Gestorben

30.11.1996

Letzter freiwilliger Wohnort

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Meldebogen (MB)
– David Weber

Meldekartei II (MK II)
– David Weber

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
– Wiedergutmachungsbehörde V für Schwaben, A-Akten und JR-Akten

http://zjc.org.il/showpage.php?pageid=297

 

Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941-1949 (Materialien zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007, S. 8, S. 88f, S. 93, S. 375.

Peter Schmidt, Speyer im 20. Jahrhundert. Chronik Speyerer Lebens in Texten, Bildern und Dokumenten und einer CD mit 44 Interviews, Speyer 1999, S.119-124.

Sigi Weber, Memories…, Mitteilungsblatt der Green and Sea Point Hebrew Congregation, Cape Town, Sept. 1991.