Sergio Parigini (links) im Jahre 1941

Sergio Parigini

Geboren: 01.11.1926, Viareggio, Italien

Gestorben: 12.04.2020, Viareggio, Italien

Weitere Informationen

Sergio Parigini, ziviler Italienischer Zwangsarbeiter
in Gersthofen bei IG Farbwerke Hoechst,
geb. am 1.11.1926

Sergio Parigini ist am 1. November 1926 als der dritte Sohn des Holzhandwerkers Simone Parigini und der Hausfrau Giuseppina geb. Zannelli in Viareggio geboren.

Sergio Parigini Sergio (3. von links) 1942

 

Seine Familie ist dezidiert antifaschistisch eingestellt. Aufgrund der Bedrohungen durch die örtlichen Faschisten in Viareggio muss die Familie zeitweise ihren Heimatort verlassen und in Livorno Zuflucht suchen.

Während des Krieges kehrt die Familie nach Versilia zurück und findet eine Unterkunft in La Verdina, Camaiore (Lucca).

Am 10. August 1944 wird Sergio zu Hause von SS-Soldaten festgenommen. Er ist noch keine 18 Jahre alt. Seine Verhaftung erfolgt im Rahmen einer breit angelegten deutschen Razzia gegen Partisanen in Versilia, bei der Massaker an Zivilisten stattfinden und junge Menschen mit dem Ziel zusammengetrieben werden, Zwangsarbeit in Deutschland zu verrichten.

Sergio ist nichtsahnend in kurzen Hosen und Sandalen unterwegs, als ihn die deutschen Truppen gefangen nehmen. Er erhält nicht einmal die  Erlaubnis, sich umzuziehen. Mit den anderen jungen Männern und unter Bewachung wird er nach Lucca verbracht.  Nach einigen Tagen wird er mit den anderen Gefangenen in ein Lager in Fossoli (Modena) gebracht und von dort über Innsbruck nach Gersthofen deportiert, wo er am 17. August 1944 ankommt.

Er ist in einem Zwangsarbeiterlager am Weiherweg 1 in Gersthofen eingesperrt und arbeitet in der Chemiefabrik IG Farbwerke Hoechst. Dort ist er damit beschäftigt, Chemikalien in Jutesäcken zu verpacken.

Dokument über die Arbeit für Lech-Chemie Gersthofen

 

Wegen schlechter Arbeitsleistung aufgrund des Hungers wird er zur „Bestrafung“ in das große Zwangsarbeiterlager nach Augsburg in der Schönbachstraße gebracht, wo auch Ukrainer, Franzosen, Tschechoslowaken und Polen untergebracht sind und wo das Essen noch schlechter ist. Ab dem 3. Februar 1945 ist er in der Firma Keller und Knappich (KUKA) nachweisbar.

Beleg für die Arbeit bei KUKA ab 3.2.45

 

Sergio erinnert sich, dass er im Anschluss noch mit der Reparatur von Eisenbahnen und Häusern beschäftigt ist.

Kurz vor der Befreiung gelingt es ihm, mit zwei Gefährten zu fliehen. Den Weg in seine Heimat legt er größtenteils zu Fuß zurück. Am 12. Mai 1945 kehrt er ins elterliche Haus zurück. Er wiegt 45 kg, „einschließlich der Läuse“. Die Verletzung an der linken Hand, die er in der Gefangenschaft durch einen Tritt erhalten hat, bleibt als unauslöschliche Erinnerung lebenslang zurück.

Nach dem Krieg lässt sich Sergio zum Zahntechniker ausbilden. Er heiratet 1955 und hat zwei Kinder.

Die Erfahrung der Deportation im Alter von 17 Jahren hat ihn für den Rest seines Lebens geprägt.

Sergio Parigini und Familie 2006

Parigini Sergio Doc ric lavoratore straniero

Parigini Sergio Prefettura Lucca Riconoscimento qualifica di reduce dalla deportazione

 

Am 12. April 2020 ist Sergio  in Viareggio (Lucca) verstorben. Sergio Parigini wurde 94 Jahre alt.

 

Biografie erstellt von Dr. Bernhard Lehmann Gegen Vergessen – Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben

 

Stadtarchiv Gersthofen

ITS Bad Arolsen, Sergio Parigini Nachweise zur Zwangsarbeit bei der Lechchemie Gersthofen und KUKA Augsburg

Aussage Sergio Pariginis
Biografie seiner Tochter Stefania.

Biografisches Datenblatt Valter Merazzi, Istituto Contemporaneo, Como