Olena Khadjalowa, geb. Kuschnir.

Olena Khadjalowa, geb. Kuschnir

Geboren: 11.06.1922, Chmelnitzkyj, Ukraine

Gestorben: ,

Wohnorte

Chmelnitzkyj, Ukraine

Orte der Verfolgung

Zwangsarbeiterin in der Baumwollspinnerei in Augsburg

Weitere Informationen

Olena Khadjalowa, geb. Kuschnir, geb. 11.6.1922

arbeitete vom Juni 1942 bis zur Bombardierung im Februar 1944 in einer Baumwollspinnerei in Augsburg, dann in der Nähe von Schwabmünchen bei einem Bauern

Am Montag, den 27. Februar 2008, besuche ich gemeinsam mit Lubov Sochka von der ukrainischen Stiftung und Herrn Kuchar von der örtlichen Zweigstelle die Frau in ihrer Eigentumswohnung in Chmelnitzkyj. Anfangs der 90-er Jahre wurden die städtischen und staatlichen Wohnungen für einen symbolischen Preis an die Mieter übereignet.

Wie fast alle solchen „Wohnsilos“ ist die Anlage arg heruntergekommen, die Außenanlagen sind verwahrlost, innen im Gang gibt es kein Licht, die Wände sind beschmiert, seit vielen Jahren sind offensichtlich keine Reparaturen vorgenommen worden.

Anders die Eigentumswohnungen selbst. Hinter einer gepolsterten Türe mit Spezialschloss sind die meisten Wohnungen liebevoll eingerichtet und restauriert, niemand könnte ahnen, dass hinter einer solch verwahrlosten Außenfassade so sorgfältig renovierte Wohnungen zu finden sind. Eine Umkehrung der Potemkinschen Dörfer also.

Olena Khadjalowa, 2008.

Frau Khadjalowas Enkel empfängt uns an der Tür und geleitet uns ins Zimmer der Oma, die zwei Gehstöcke benötigt und stark gehbehindert ist. Es ist 8:20 Uhr morgens, wir kommen gleich zur Sache, denn wir haben ein dicht gedrängtes Programm.

Durch einen Gestellungsbefehl musste sich Olena am 22. Juni 1942 bei den Ortsbehörden melden und kam dann mit anderen jungen Frauen nach Deutschland. In der Baumwollspinnerei arbeitete sie gemeinsam mit 34 anderen ukrainischen Mädchen, sie war gerade mal 20 Jahre alt. Das Lager befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fabrikgelände, nach ihren eigenen Angaben erhielt sie sogar 20 Mark im Monat. Anfangs durfte sie das Lager nicht verlassen, aber ab 1944 verbesserten sich die Verhältnisse und sie konnte am Wochenende hin und wieder für eine Stunde in die Stadt. Die Versorgung im Lager war elendiglich, die Mahlzeiten in der Fabrik waren nahrhafter. Eine gutmütige deutsche Köchin versorgte sie mit größeren Portionen.

Für die Ukrainer war das Ostabzeichen eine Kränkung, sie erreichten im Laufe der Zeit schließlich, dass sie nur noch das Abzeichen der Fabrik tragen mussten (BSS).

Vor ihrer Deportation nach Deutschland hatte sie lediglich 5 Schulklassen besuchen können, sie hatte keine Schuhe und konnte daher im Winter nicht einmal die Schule besuchen.

In der Nacht des Bombenangriffs im Februar 1944 verbrannten ihre sämtlichen Habseligkeiten; der Bunker, in dem sie sich aufhielt, wurde verschüttet, aber dank der Franzosen und Kriegsgefangenen konnte sie gerettet werden.

So kam sie schließlich zum Bauer Josef Steckmann in Schwabmünchen-Schwabegg. Der Bauer war schon 62 und behandelte sie wirklich gut, aber seine zweite Ehefrau schlug sie schon hin und wieder. Als sie nach dem Krieg über verschiedene Filtrierungslager nach Hause zurückkehrt, war die Mutter verstorben.

Erstellt von Dr. Bernhard Lehmann Gegen Vergessen – Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben bernhard.lehmann@gmx.de

Interview Dr. Bernhard Lehmann mit Frau Khadjalowa 2008.