Olena Fischtschuk, geb. Gorbatjuk.

Olena Fischtschuk, geb. Gorbatjuk

Geboren: 25.01.1926, Kaliniwka, Khmelnitzkyi, Ukraine

Gestorben: Datum nicht bekannt, Ort nicht bekannt

Wohnorte

Kaliniwka, Khmelnitzkyi, Ukraine

Orte der Verfolgung

Zwangsarbeiterin in der Baumwollspinnerei in Augsburg

Weitere Informationen

Olena Fischtschuk, geb. Gorbatjuk, geb. am 25.01.1926 in Kaliniwka, Khmelnitzkyi, Ukraine

Zwangsarbeit in der Baumwollspinnerei in Augsburg

Olena arbeitete in Augsburg in der gleichen Fabrik wie Olena Khadjalowa. In Kaliniwka, einem Dorf in der Nähe von Khmelnitzkyj, bestimmte der Dorfälteste, wer entsprechend den Befehlen der Besatzungsmacht nach Deutschland zur Zwangsarbeit verbracht werden sollte. So brachte der Vater seine älteste, 16-jährige Tochter nach Khmelnitzkyi, von wo der Transport nach Deutschland seinen Anfang nahm.

3 Jahre arbeitet Olena in der Baumwollspinnerei, nach der Bombardierung des Betriebes wird sie in einem Rüstungsbetrieb zugeteilt. Sie erinnert sich noch genau, welche Tätigkeiten sie dort gemeinsam mit anderen ukrainischen Frauen zu vollbringen hatte, nämlich Munition in Patronen zu füllen. Aber Olena ist noch jung und häufig unkonzentriert, kann keine Qualitätsarbeit leisten, so wird sie bald in eine andere Abteilung versetzt.

Olena verspürt oft großes Heimweh, und natürlich schreibt sie ihren Eltern, die auch antworten, so lange dies möglich ist und das Gebiet unter deutscher Militärverwaltung steht.

Das neue Lager (es handelt sich offensichtlich um das MAN-Lager in der Schönbachstraße) war in der Nähe eines Flusses, in dem sie des Öfteren baden gingen. Eines Tages plant Olena, ihre Cousine auf dem Land zu besuchen, die auf einem Bauernhof tätig ist. Mit dem Zug fährt sie dorthin, wird aber ohne Fahrschein und Reiseerlaubnis ertappt, verhaftet und unter Arrest gestellt. Die Lagerführerin wird benachrichtigt und so kommt sie gegen die Bezahlung einer Strafe wieder frei.

Sie hat nicht nur schlechte Erinnerungen an Deutschland. Sie denkt oft an Barbara Schickener, eine Deutsche, die in der gleichen Abteilung wie sie arbeitete und immer sehr fröhlich und herzlich zu ihr war. Sie hatte einen Sohn im gleichen Alter wie Olena.

Als Olena nach den Verhören in den Filtrierungslagern wieder in die Ukraine zurückkehrt, besucht sie die Realschule. In der Heimat werden nach dem „Großen vaterländischen Krieg“ die Zwangsarbeiter verachtet und der Kollaboration bezichtigt. Olena muss sich viele Vorwürfe anhören. Wenn immer möglich, vermeidet sie es, auf ihren Zwangsaufenthalt in Deutschland hinzuweisen. Aber einen angemessene Arbeit wird ihr nicht gewährt, die Verdachtsmomente gegen sie und die anderen Zwangsarbeiter bleiben bis in die 90-er Jahre bestehen. Daher haben viele Zwangsarbeiter auch kein Geld bei der Stiftung beantragt, denn bis zu dieser Zeit galt man als gesellschaftlich geächtet.

Olena Fischtschuk mit ihrem Ehemann.

 

Erstellt von Dr. Bernhard Lehmann Gegen Vergessen – Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben

Interview Dr. Bernhard Lehmann mit Frau Fischtschuk 2008.