Maria Lawrenko, geb. Pljuschtschewa.

Maria Lawrenko, geb. Pljuschtschewa

Geboren: 16.05.1926,

Gestorben: Datum nicht bekannt, Ort nicht bekannt

Wohnorte

Pawlowgrad, Ukraine

Orte der Verfolgung

Zwangsarbeiterin in der Textilfabrik Bobingen

Weitere Informationen

Maria Lawrenko, geb. Pljuschtschewa, geb. am 16.05.1926

Arbeitseinsatz in Bobingen in der Textilfabrik

Als uns Frau Roschtschina zu ihrer Freundin Maria Lawrenko führt, donnert und blitzt es, der Strom in Pawlowgrad fällt aus, es ist dunkel in dem kleinen Häuschen, die rührige Frau Roschtschina sucht nach Kerzen.

Marias Ehemann ist vor ganz kurzer Zeit verstorben, jetzt lebt sie allein, sie trägt keine Schuhe, hat ganz wunde Beine, und ihren psychischen und physischen Zustand kann man nur als erbarmungswürdig bezeichnen. Während unseres Besuches hört sie nicht auf zu weinen und zu schluchzen, ihr ganzes Leben war sie unglücklich, sie musste einen Schicksalsschlag nach dem anderen verkraften.

Als jüngstes Kind erhält sie 1942 den Gestellungsbefehl, um in Deutschland Zwangsarbeit zu leisten. Der Bruder ist zur Armee einberufen worden und fällt in Charkow gegen die deutschen Truppen. Die ältere Schwester bleibt bei den Eltern.

„Wir waren vor dem Krieg arm, wir blieben nach dem Krieg arm und sind es heute noch“, klagt Maria. Als ihr Bruder an der Front fällt, erleidet der Vater einen Herzinfarkt und stirbt gleichfalls, aus Kummer ist die Mutter stark abgemagert, bei Marias Rückkehr erkennt sie ihre Mutter kaum noch.

Hunger zieht sich wie ein roter Faden durch Marias Vita. Auch in Deutschland musste ich Hunger leiden: „Wir aßen madige Bohnen, und fast immer gab es diese Rüben, die scheußlich schmeckten“.

In Bobingen leben sie im Lager, das war mit Stacheldraht umzäunt, aber wohin hätten sie schon laufen sollen, sie wussten ja gar nicht richtig, wo sie sich befanden. Den Weg zur Arbeit legten sie unter Bewachung zurück und überlebten nur, weil sie jung und kräftig gewesen seien, schildert Maria unter Tränen. In der Fabrik legten sie die Spulen mit Zangen in die Säure, die Haut wurde verätzt, da half auch die Arbeitskleidung nicht viel.

Die Erinnerung an Deutschland ist keinesfalls angenehm, sie hatte ständiges Heimweh, Briefe an die Eltern durfte sie nicht schreiben und von zu Hause hörte sie auch nichts. Erst nach der Befreiung durch die Amerikaner schreibt sie nach Hause.

An den Namen des Lagerführers kann sie sich erinnern, an Herrn Kugelmann. Und daran, dass sie in drei Schichten arbeiteten.

Nach der Rückkehr

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat arbeitet sie als Bohrerin in der Fabrik, sie verletzt sich mehrmals am Fuß. Als Arbeiterin in der Fabrik erhält sie 1947 eine Brotration von 500 Gramm, ihre Mutter erhält 250 Gramm, ihre arbeitslose Schwester erhält keine Brotkarten. Die Schwester stirbt in den 70-er Jahren.

Während sie ihr Schicksal beschreibt, schluchzt sie unaufhörlich. Ihr ganzes Leben war von Not und Elend und Schicksalsschlägen gekennzeichnet. Ihr jüngster Sohn ist bettlägerig und leidet unter den Folgen eines Gehirnschlags, auch der ältere Sohn ist unglücklich, aber immerhin besucht er sie regelmäßig nach dem Tod ihres Mannes im März dieses Jahres.

Sie hat keinen Appetit mehr, es fehlt ihr das Geld, um Arzneien zu kaufen, woher soll sie es denn nehmen, sie hat eine Rente von 200 Griwna, das sind gerade mal knappe 70 Euro, und die Arzneien kosten monatlich zwischen 70 und 80 Griwna.

Ich händige Maria den symbolischen Geldbetrag aus, aber fühle mich hilflos, die Frau würde dringend permanente psychische Betreuung benötigen, jemand müsste sich um sie kümmern, sie ist verzweifelt und depressiv. Daran kann auch eine vorübergehende Linderung ihrer finanziellen Probleme nichts ändern. Maria bedankt sich überschwänglich bei mir, aber ich bin skeptisch, ob ich ihr habe helfen können.

Bericht erstellt von Dr. Bernhard Lehmann StD Gegen Vergessen – Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben, 4. Ukrainereise 2007

Bericht erstellt von Dr. Bernhard Lehmann,
4. Ukrainereise 2007.