Louis Bernheimer

Geboren: 05.12.1875, Ichenhausen

Gestorben: nicht bekannt, Auschwitz

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Louis Bernheimer (1875–1942)

Herkunft und Familie

Louis Bernheimer wurde am 5.12.1875 in Ichenhausen bei Günzburg geboren. Seine Eltern gehörten der jüdischen Gemeinde an und hießen Moritz und Charlotta. Neben Louis bekam das Paar noch weitere sechs Kinder: Lina (geb. 19.08.1874), Alfred und Sali (geb. 26.06.1877), Eugenie (geb. 19.02.1879), Sigo (Seligmann) (geb. 18.05.1884) und Rudolf (geb. 9.05.1889). Louis Bernheimer heiratete 1901 Pauline Stern (geb. 24.12.1879), Tochter von Max und Sophie Stern aus Bayreuth. Das Paar wohnte zunächst in Leitmeritz (Böhmen), wo auch das erste Kind zur Welt kam: Fritz Rudolf (geb. 02.08.1902). Am 19.05.1903 zogen sie nach Augsburg in die Provinostraße 16 (bei Schuler) um. Ein Jahr später wurde das zweite Kind geboren: die Tochter Irena (geb. 04.04.1904). Schon am 16.05.1905 zog die kleine Familie in die Maximilianstraße 17 (bei Oberdorfer), und drei Jahre Später in die Bahnhofstraße 14 (bei Bernheimer) um. Schließlich fanden sie ihre Heimat in der Friedberger Str. 9, wo das letzte Kind der Familie zur Welt kam: der Sohn Walter (geb. 16.10.1913).

Beruf und Tätigkeiten

Louis Bernheimer war laut der Familienakte Ingenieur und von Beruf Installateur und Großhändler. Seine Firma – Louis Bernheimer, Ingenieurbüro und Tiefbauunternehmen mit Installationsgeschäft – erfreute sich in Augsburg eines sehr guten Rufes und beschäftigte sich mit Projekten und Ausführung von Wasser-, Gas- und Kanalisationsanlagen. Sie führte eine Vielzahl an Aufträgen von staatlichen und kommunalen Behörden sowie privaten Auftraggebern durch, für die sich im Stadtarchiv Augsburg noch Belege finden.

Die Bernheimer-Villa in der Friedberger Str. 9

 

Im Jahre 1910 kaufte Louis Bernheimer ein Grundstück in der Friedberger Straße 9 und verlegte den Sitz seiner sich rasch entwickelnden Firma dorthin. Schon im Jahre 1911 entstand in der Friedberger Straße 9 eine Villa, die die Räumlichkeiten der Firma beherbergte und noch viel Platz zum Wohnen bot. Schon im Jahre 1908 war der Bruder von Louis, Alfred Bernheimer, als Teilhaber in das Geschäft des Bruders eingestiegen. Auch der älteste Sohn Fritz war später in der Firma als Ingenieur tätig1.

 

Beide Brüder müssen ähnlich wie viele in dieser Zeit von der Idee Theodor Herzls, eine jüdische Heimstätte in Palästina zu errichten, recht begeistert gewesen sein. Sie unterstützten viele junge Menschen auf dem Weg zur Auswanderung. In dem Haus in der Friedberger Straße 9, dem so genannten Beth Chaluz (Haus der Pioniere) 2 lebten und lernten viele jüdische Auszubildende. Laut der Hausakte wanderten von dort insgesamt 17 Azubi*nen direkt nach Palästina aus oder zogen auf Gut Bannacker in Bergheim um, das eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte war.

Verfolgung und Auswanderung

Eine Verstärkung ihrer Bemühungen kann man ab dem Jahr 1935 beobachten. Die Verfolgung, die die jüdischen Bürger in Deutschland nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erlitten, wurde immer intensiver. Schon im Jahre 1933 entschied sich der älteste Sohn von Louis und Paula, Fritz Bernheimer, für eine Auswanderung nach Frankreich, wo er mit seiner Frau Ellen während des Zweiten Weltkriegs unter dem Namen „Bertin“ 3 lebte. Ein Jahr später entschied sich Alfred Bernheimer nach New York zu gehen. So rettete er sich, seine Frau und seine Kinder. Ihm folgte 1934 sein Neffe, Walter Bernheimer, der über Palästina in die USA auswanderte. Im Juni 1937 zog das Wohnheim für jüdische Auszubildende in die Armenhausgasse B 121a (heute Armenhausgasse 21). 4 Louis verließ im Oktober 1937 die Friedberger Straße 9, er zog in die Schülestraße 15. Das Grundstück in der Friedbergerstraße 9 ging an den Notar Walter Daenner über, der 1938 im Augsburger Adressbuch als Eigentümer geführt wird. Das Eigentum wurde jedoch bald an das Evangelische Waisenhaus übertragen. Louis Bernheimer floh im Mai 1939 mit seiner Familie nach Frankreich (Paris). Leider sind die Umstände seiner Flucht sowie genaue Angaben zu seinem Aufenthaltsort dort nicht bekannt.

Deportation und Tod

Louis Bernheimer und seine Frau Paula wurden am 31.08.1942 vom Sammellager Drancy (in der Nähe von Paris) nach Auschwitz deportiert5. Nach einer Selektion am 02.09.1942 auf dem Bahnhof in Cosel, bei der arbeitsfähige Männer ausgesondert und in Arbeitslager verschleppt wurden, setzte sich der Zug weiter in Richtung Auschwitz in Bewegung. Nach ihrer Ankunft im Konzentrationslager wurden Louis Bernheimer, seine Frau Paula sowie fast alle Frauen, Männer und Kinder, die auf dem Transport waren, höchstwahrscheinlich vergast.6 Neben Louis Bernheimer und seiner Frau wurde auch sein jüngerer Bruder, Sigo Bernheimer, ein Apotheker in Augsburg, 1942 in Auschwitz ermordet.

 

zusammengestellt von der Projektgruppe Jewish Traces
des Maria-Ward-Gymnasiums Augsburg
bestehend aus Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe

  1. Gernot Römer (Hrsg.), An meine Gemeinde in Zerstreuung. Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941-1949, Wißner Verlag, Augsburg 2007, S. 188
  2. Einen ausführlichen Bericht über das Leben in Beth Chaluz in der Friedbergerstraße 9 liefert Gernot Römer in seinem Buch: Die Austreibung der Juden aus Schwaben. Schicksale nach 1933 in Berichten, Dokumenten, Zahlen und Bildern, Augsburg 1987, S. 200-204
  3. Fritz Bernheimer wurde zweimal in einem französischen Lager gefangen gehalten. Beide Male sei es seiner Frau gelungen, ihn herauszuholen. Er starb am 16.07.1953 in Paris., vgl. Römer, An meine…, s. Anm. 1, S. 188
  4. Ebd. S. 203
  5. https://gedenkbuch.bayreuth.de/opfer/bernheimer-geb-stern-pauline/, abgerufen am 25.09.2021
  6. Eine genaue Beschreibung des RSHA Transports (Zug 901-21) befindet sich auf der Internetseite: http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1942/transport-31081942-drancy.html, abgerufen am 25.09.2021

Stadtarchiv Augsburg

Gerlach, Walter (Hrsg.): Das Buch der alten Firmen der Stadt und des Industriebezirkes Augsburg im Jahre 1930, Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig o.J.

Römer, Gernot: Die Austreibung der Juden aus Schwaben. Schicksale nach 1933 in Berichten, Dokumenten, Zahlen und Bildern, Presse-Druck- und Verlags-GmbH, Augsburg 1987

Römer, Gernot (Hrsg.): An meine Gemeinde in Zerstreuung. Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941-1949, Wißner Verlag, Augsburg 2007

https://gedenkbuch.bayreuth.de/opfer/bernheimer-geb-stern-pauline/, abgerufen am 25.09.2021 um 18:31 Uhr

http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/transportliste-der-deportierten-1942/transport-31081942-drancy.html, abgerufen am 25.09.2021 um 18:39 Uhr