Irma Baumann, geb. Bloch

Geboren: 03.12.1893,Schmieheim

Gestorben: 25.11.1941,Kaunas (Kowno), Litauen

Wohnorte

Schmieheim
Neustadt an der Weinstraße
Augsburg, Ulmer Straße 185

Orte der Verfolgung

Deportation
am 20. November 1941
von München-Milbertshofen
nach Kaunas (Kowno), Litauen

Weitere Informationen

[English version below]

Irma Baumann, geb. Bloch stammte aus dem badischen Schmieheim, wo sie am 3. Dezember 1893 geboren wurde. Dort heiratete sie am 18. Januar 1934 den ebenfalls aus Schmieheim kommenden Kaufmann Karl Baumann, geboren am 28. Juli 1891.1 Ihre Schwester hieß Meta Bloch und war am 21. Januar 1890 geboren worden.2 Ihre Eltern waren Hannchen Bloch, geb. Wachenheimer, und Abraham Bloch, der in der jüdischen Gemeinde von Schmieheim mehr als 45 Jahre als Kantor und Lehrer tätig war.3

Das Ehepaar gründete eine Familie: Hanna Sophie Baumann4 kam am 31. März 1935 im badischen Lahr zur Welt.

Die Familie zog am 21. September 1939 von Neustadt an der Weinstraße nach Augsburg-Kriegshaber in die Ulmer Straße 185.5 Es konnte nicht rekonstruiert werden, wann sie von Schmieheim nach Neustadt an der Weinstraße gezogen war.6 Die Wohnung in Kriegshaber wurde ihnen von dem jüdischen Ehepaar Moriz und Lydia Einstein vermietet, die in der Folgezeit noch weitere Juden in ihr Haus aufnahmen. Die Küche wurde von den Bewohnern gemeinsam genutzt und der Haushalt zusammen geführt. Ob die Einsteins von den NS-Behörden gezwungen wurden, wohnungssuchende Juden aufzunehmen, ist nicht bekannt. Durch die am 30. April 1939 verfügte Aufhebung des Mieterschutzes für Juden, die in Häusern von Nichtjuden wohnten, hatte sich deren Zahl stark erhöht. Jüdische Hauseigentümer konnten seitdem gezwungen werden, jüdische Mieter aufzunehmen.7

Aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung war es ihrem Ehemann nicht mehr möglich, sein Gewerbe zu betreiben. Vermutlich musste er in einem Baugeschäft Zwangsarbeit leisten.8

Irma, Karl und Hanna Baumann wurden am 20. November 1941 nach Kaunas in Litauen deportiert und dort erschossen.9

Nach der Deportation der Familie wurden ihre Einrichtungsgegenstände und Möbel vom Finanzamt Augsburg-Stadt beschlagnahmt und an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) weiterveräußert.10

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die Anna-Katharina Beuter im Sommersemester 2014 an der Universität Augsburg erarbeitet hat. Anna-Katharina Beuter nahm am Proseminar „Nationalsozialismus in Augsburg. Verfolgungsgeschichte im Spiegel von Lebensgeschichten Augsburger Juden“ von Dr. Benigna Schönhagen am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde teil.

[English version]

Irma Baumann

Irma Baumann, née Bloch, was from Schmieheim in Baden, where she was born on December 3, 1893. Her husband, the merchant Karl Baumann, born July 28, 1891, was from Schmieheim as well. 1 They married on January 18, 1934. Her sister’s name was Meta Bloch, born January 21, 1890. 2 Her parents were Hannchen Bloch, née Wachenheimer, and Abraham Bloch, who, for more than forty-five years, acted in the Jewish community of Schmieheim as cantor and teacher. 3

The couple raised a family: Hanna Sophie Baumann was born on March 31, 1935, in Lahr in Baden. 4

On September 21, 1939, the family moved from Neustadt an der Weinstrasse to Augsburg-Kriegshaber to 185 Ulmer Strasse. 5 It could not be traced back, when they had moved from Schmieheim to Neustadt an der Weinstrasse. 6They rented an apartment in Kriegshaber from the Jewish couple Moriz and Lydia Einstein, who, in the subsequent period, took more Jews into their house. The residents managed the household jointly, including using the kitchen. It is not known, whether the Einsteins were forced by the NS authorities to take Jews looking for housing into their home. The number of those had grown, since on April 30, 1939, the tenant protection for Jews living in houses belonging to non-Jews had been canceled. From then on Jewish homeowners could be forced to take Jewish tenants. 7

Due to the National Socialistic legislation, Karl Baumann was no longer able to follow his trade. Presumably he had to do forced labor for a construction company. 8

On November 20, 1941, Irma, Karl and Hanna Baumann were deported to Kaunas in Lithuania and shot. 9

After the deportation of the family, their belongings and their furniture were confiscated by the Augsburg Finance Authority and sold to the National Socialist Welfare Organization. 10

This is an excerpt of the biography Anna-Katharina Beuter compiled in the summer term 2014 at Augsburg University. She attended the proseminar course “National Socialism in Augsburg. Persecution history mirrored by the biographies of Augsburg Jews” by Dr. Benigna Schönhagen at the department for European Ethnology.

(Translation by Michael Bernheim)

Footnotes

  1. Amtsgericht Ettenheim, Badisches Notariat Ettenheim, Öffentliche Urkunde über Ehe- und Erbvertrag zwischen Karl Baumann und Irma Bloch, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951.
  2. Eidesstattliche Erklärung von Meta Bloch vom 20.01.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951.
  3. www.alemannia-judaica.de/synagoge_schmieheim.htm (aufgerufen am 16.06.2015).
  4. In einer Nachricht der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an das Amtsgericht Augsburg vom 20.05.1951 wird Hanna Sophie Baumann fälschlicherweise Sophie Emma Baumann genannt, vgl.: Schreiben der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an das Amtsgericht Augsburg vom 20.05.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951 und Eidesstattliche Erklärung von Meta Bloch vom 30.06.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951; http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de837833 (aufgerufen am 01.07.2015).
  5. StadtAA, Pol.Bg. Ulmer Straße 185; Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  6. Einem Protokoll des Landgerichts Augsburg vom 26.05.1952, das in der öffentlichen Sitzung vor dem Einzelrichter der Wiedergutmachungskammer aufgenommen wurde, ist die Feststellung der Polizeidirektion Neustadt an der Weinstraße zu entnehmen, „dass die Eheleute Karl u. Irma Baumann dort nie polizeilich gemeldet waren.”, in: StAA, W.B. V a 941.
  7. Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat.“ Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Band 5), hrsg. von Benigna Schönhagen für das jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Augsburg 2012, S. 43f; Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  8. Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  9. http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 17.06.2015); http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411120-12.jpg (aufgerufen am 17.06.2015).
  10. Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.

 

  1. Amtsgericht Ettenheim, Badisches Notariat Ettenheim, Öffentliche Urkunde über Ehe- und Erbvertrag zwischen Karl Baumann und Irma Bloch, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951.
  2. Eidesstattliche Erklärung von Meta Bloch vom 20.01.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951.
  3. www.alemannia-judaica.de/synagoge_schmieheim.htm (aufgerufen am 16.06.2015).
  4. In einer Nachricht der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an das Amtsgericht Augsburg vom 20.05.1951 wird Hanna Sophie Baumann fälschlicherweise Sophie Emma Baumann genannt, vgl.: Schreiben der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an das Amtsgericht Augsburg vom 20.05.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951 und Eidesstattliche Erklärung von Meta Bloch vom 30.06.1951, in: StAA, AG Augsburg NA 484/1951; http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de837833 (aufgerufen am 01.07.2015).
  5. StadtAA, Pol.Bg. Ulmer Straße 185; Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  6. Einem Protokoll des Landgerichts Augsburg vom 26.05.1952, das in der öffentlichen Sitzung vor dem Einzelrichter der Wiedergutmachungskammer aufgenommen wurde, ist die Feststellung der Polizeidirektion Neustadt an der Weinstraße zu entnehmen, „dass die Eheleute Karl u. Irma Baumann dort nie polizeilich gemeldet waren.”, in: StAA, W.B. V a 941.
  7. Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat.“ Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Band 5), hrsg. von Benigna Schönhagen für das jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Augsburg 2012, S. 43f; Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  8. Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.
  9. http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 17.06.2015); http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411120-12.jpg (aufgerufen am 17.06.2015).
  10. Finanzamt Augsburg-Stadt, Abschrift von Abschriften vom 22.11.1949, in: StAA, W.B. V a 941.

Karl Baumann

Geboren

28.07.1891

Gestorben

25.11.1941

Letzter freiwilliger Wohnort

Hanna Sophie Baumann

Geboren

31.03.1935

Gestorben

25.11.1941

Letzter freiwilliger Wohnort

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Amtsgericht Augsburg (AG Augsburg):
– AG Augsburg NA 484/1951

Bestand Wiedergutmachungsbehörde (W.B. V):
– W.B. V a 941

www.alemannia-judaica.de/synagoge_schmieheim.htm (aufgerufen am 16.06.2015)

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de837833 (aufgerufen am 01.07.2015)

http://www.mccheese.de/KiGa/namensgebung.html (aufgerufen am 08.07.2015)

http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 17.06.2015)

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411120-12.jpg (aufgerufen am 17.06.2015)

Monika Müller, „Es ist ein hartes Los, das uns getroffen hat.“ Der Weg der Familie Einstein aus Augsburg-Kriegshaber (LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichte, Band 5), hrsg. von Benigna Schönhagen für das jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Augsburg 2012.