Eugen Feist

Geboren: 17.05.1880, Augsburg

Gestorben: Datum nicht bekannt, Ort nicht bekannt

Wohnorte

Augsburg, Zeuggasse 9/II
Augsburg, Elisenstraße 1
Augsburg, Wertachstraße 19 ½

Orte der Verfolgung

Deportation
am 2. April 1942
von Augsburg
über München-Milbertshofen
nach Piaski

Weitere Informationen

Eugen Feist (1880–1942)

Eugen Feist stammt aus Augsburg, seine Eltern waren David Feist und Julie, geb. Gunz.

David Feist wurde am 11. Dezember 1837 in Fischach (südwestlich von Augsburg) geboren.1 Fischach hatte eine relativ große jüdische Gemeinde (284 Mitglieder im Jahre 1867)2; wie weit sich die Familie Feist am Gemeindeleben beteiligte, ist nicht bekannt. David Feist besuchte zweieinhalb Jahre eine Handelsschule, zog 1859 nach Augsburg und trat in das Handelsunternehmen Gebrüder Feist und M. Götz ein, das zuerst in Kriegshaber angesiedelt war.3

Geschäftsbrief der Gebr. Feist & M. Götz, Kriegshaber. (Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)

 

Zum Militär musste er nicht, da er für untauglich erklärt wurde. Laut seinem Entlassungsschein war David Feist 1,86 Meter groß, hatte schwarze Haare und Augenbrauen, braune Augen und sonst keine besonderen Kennzeichen. Am 18. April 1868 heiratete er in Augsburg Julie Gunz. Er starb am 24. Januar 1881 in der Heil- und Pflegeanstalt zu Kennenburg bei Esslingen.4

Eugens Mutter wurde am 19. März 1848 ebenfalls in Fischach geboren und starb am 15. November 1918 im Alter von 70 Jahren.5

Das Ehepaar hatte sechs Söhne und drei Töchter, die alle in Augsburg geboren wurden:

  • Max (17.12.1869 – 17.4.1871)6,
  • Hugo (07.04.1871 – 29.04.1941)7,
  • Sofie (28.04.1872 – 26.06.1919)8,
  • Marie (05.07.1873 – 04.03.1925)9,
  • Richard (14.09.1874 – 21.12.1942)10,
  • Lilly (08.09.1875 – 06.12.1939)11,
  • Leopold Karl (04.01.1877 – 15.02.1877)12,
  • Oskar (29.08.1878 – 01.03.1887)13;
  • Eugen Feist wurde am 17. Mai 1880 geboren14 und war somit das jüngste Kind der Familie.15

Über Eugens Kindheit und Jugend liegen keine Informationen vor.

Während des Ersten Weltkriegs war Eugen Feist Soldat in der kaiserlichen Armee, trotz einer Augenverletzung.16 Er war Gefreiter der Ersatztruppenteile der Infanterie-Regimenter und diente im I. Ersatz-Bataillon des 3. Bayerischen Infanterie-Regiments in Augsburg. In den Akten wird er wie folgt beschrieben: 1,71 Meter groß, schlanker Körper, schmale Nase, dunkelbraunes Haar und als besonderes Kennzeichen eine Narbe am Bauch von einer Blinddarmoperation.17

Ab dem 6. März 1919 führte er zusammen mit seinen Brüdern Hugo und Richard Feist sowie dem Cousin der Mutter Herrmann Gunz den Familienbetrieb Gebrüder Feist und M. Götz.18 Dieser war ein Manufakturwarengroßhandel in der Zeuggasse 9. Er wurde am 5. Februar 1936 geschlossen19, wobei davon auszugehen ist, dass dies aufgrund der nationalsozialistischen Enteignungspolitik geschah.

Eugen Feist wohnte bis Ende 1937 im zweiten Stock der Zeuggasse 920, d.h. im gleichen Haus wie das Handelsunternehmen, an dem die Familie bis 1936 beteiligt war. Er zog dann wohl in die Elisenstraße 121 und am 15. März 1941 sehr wahrscheinlich erzwungenermaßen in die Wertachstraße 19 ½.22

Eugen Feist, inzwischen 60 Jahre alt, musste vom 31. Juli 1940 bis zum 21. Februar 1941 Zwangsarbeit bei Johann Schaffner Hoch- und Tiefbau in Augsburg (am Lauterlech) leisten.23 Am 2. April 1942 wurde er nach München und zwei Tage später nach Piaski verschleppt.24 Er hat die Deportation nicht überlebt. Sein verwitweter Bruder Richard Feist25 wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt im heutigen Tschechien deportiert, er starb dort am 21. Dezember 1942.26 Der Sohn Ernst David Feist (*14.07.1912) und die Schwiegertochter Gerda Feist, geb. Humber (*12.9.1919) wurden auch Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik: Am 25. Oktober 1941 wurden sie von Krefeld in das Ghetto Litzmannstadt in das von den Deutschen besetzten Polen deportiert. Das Amtsgericht Krefeld erklärte sie am 5. Juli 1950 für tot.27

Sein Bruder Hugo Feist heiratete am 19. Dezember 1908 in Heidelberg Erna Schlesinger und bekam mit ihr zwei Söhne: Werner David (03.12.1909 – 08.03.1998) und Hellmut Isidor28 (25.08.1912 – 1979).29 Diese konnten die Auswanderung nach England und Südafrika realisieren.30 Hugo starb 1941 in Augsburg, seine Frau wurde 1942 nach Piaski deportiert und ermordet.31 Die Söhne strengten nach Kriegsende ein Wiedergutmachungsverfahren an.32

Eugens Schwester Lilly Feist starb noch vor Beginn der Deportationen am 6. Dezember 1939 in Augsburg.33

Die Erinnerungstafeln im Augsburger Rathaus verzeichnen die Namen der ermordeten Mitglieder der Familie Feist.

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die von Luca Röder, Schüler des Oberstufenjahrgangs 2016/2018 am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, im Rahmen des W-Seminars „Biografien von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus im Großraum Augsburg“ im Fach Geschichte erarbeitet wurde.

  1. StAA, AG Augsburg Nachlassakte Richard Feist.
  2. Vgl. http://www.alemannia-judaica.de/fischach_synagoge.htm  (aufgerufen am 2.6.2020).
  3. Neueste Weltbegebenheiten des Jahres 1837. Erzählt von einem Weltbürger. Vier und fünzigster Jahrgang, S. 398.
  4. StadtAA MB David Feist.
  5. StAA, AG Augsburg Nachlassakte Richard Feist.
  6. StAA, AG Augsburg Nachlassakte Richard Feist.
  7. Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941–1949 (Material zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007, S. 224.
  8. https://www.geni.com/people/Sophie-Feist/6000000002829065399 (aufgerufen am 25.5.2020).
  9. https://www.geni.com/people/Marie-Feist/6000000002829277121 (aufgerufen am 25.5.2020).
  10. StAA, AG Augsburg Nachlassakte Richard Feist.
  11. Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 224.
  12. StAA, AG Augsburg Nachlassakte Richard Feist.
  13. StAA, AG Augsburg Nachlassakte Richard Feist.
  14. StadtAA, MK II (Fehlkarte) Eugen Feist.
  15. StadtAA MB David Feist.
  16. Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 223.
  17. BayHStA, Abt. IV Kriegsarchiv, Bd. 4695 KStR Bd. 1 (Eugen Feist); eingesehen bei www.ancestry.de.
  18. StadtAA, GK I Firma der Gebrüder Feist und M. Götz.
  19. StadtAA, GK II David Feist.
  20. StadtAA, MK II (Fehlkarte) Eugen Feist; auch: Adreßbuch der Stadt Augsburg 1913; Einwohnerbücher der Stadt Augsburg 1930 sowie 1937.
  21. Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 223.
  22. StadtAA, MK II (Fehlkarte) Eugen Feist.
  23. Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 223.
  24. http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420404-35.jpg (aufgerufen am 01.04.2019).
  25. Richard Feist war verheiratet mit Adele Spanier, geboren am 12.4.1890.
  26. StAA, Akten über den Nachlaß des Feist Richard; https://www.statistik-des-holocaust.de/II21-3.jpg.
  27. StAA, Akten über den Nachlaß des Feist Richard.
  28. In der Akte JR 723 der Wiedergutmachungsbehörde V für Schwaben wird sein Name auch Helmuth Isidor geschrieben.
  29. StadtAA, MB Hugo Feist; Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 224 und 225.
  30. StAA, Wiedergutmachungsbehörde V für Schwaben, JR 1047.
  31. Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 224.
  32. StAA, Wiedergutmachungsbehörde V für Schwaben, JR 76, 723, 724, 840.
  33. Gernot Römer (Hg.), 2007, S. 224.

Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA), Abt. IV Kriegsarchiv
Kriegsstammrollen (KStR):
– Bd. 4695 KStR Bd. 1 (Eugen Feist); eingesehen bei www.ancestry.de

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Amtsgericht Augsburg (AG):
– Nachlassakte Richard Feist

Akten über den Nachlaß des Feist Richard

Wiedergutmachungsbehörde V für Schwaben:
– JR 76, 723, 724, 840,  1047

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Meldebogen (MB):
– David Feist
– Hugo Feist

Meldekarten II (MK II):
– (Fehlkarte) Eugen Feist

Gewerbekartei I (GK I):
– Firma der Gebrüder Feist und M. Götz

Gewerbekartei II (GK II):
– David Feist

Adreßbuch der Stadt Augsburg 1913.

Aufhebung der Literabezeichnung im Altstadtgebiete von Augsburg, Augsburg 1938.

Einwohnerbücher der Stadt Augsburg 1930 sowie 1937.

Neueste Weltbegebenheiten des Jahres 1837. Erzählt von einem Weltbürger. Vier und fünzigster Jahrgang, S. 398.

http://www.alemannia-judaica.de/fischach_synagoge.htm  (aufgerufen am 2.6.2020)

https://www.geni.com/people/Marie-Feist/6000000002829277121 (aufgerufen am 25.5.2020)

https://www.geni.com/people/Sophie-Feist/6000000002829065399 (aufgerufen am 25.5.2020)

https://www.statistik-des-holocaust.de/II21-3.jpg

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420404-35.jpg (aufgerufen am 1.4.2019)

Gernot Römer (Hg.), „An meine Gemeinde in der Zerstreuung.“ Die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941 – 1949 (Material zur Geschichte des Bayerischen Schwaben, Bd. 29), Augsburg 2007.