Erna Laub in Kaufbeuren. (Bundesarchiv Berlin)

Erna Laub

Geboren: 11.05.1901, Lechhausen

Gestorben: 27.08.1940, Tötungsanstalt Grafeneck

Wohnorte

Augsburg, Obere Lechdammstraße 1 a (heute Radetzkystraße)
Augsburg, Radetzkystraße 5/I
Augsburg, Alexanderstraße 13/I (heute Nibelungenstraße)

Orte der Verfolgung

Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren

Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee

Tötungsanstalt Grafeneck
„Aktion T4“

Weitere Informationen

Erna Laub, Euthanasieopfer, geboren am 11. Mai 1901
(vermutlich) gestorben am 27. August 1940

Frau Erna Meta Laub wurde am 11. Mai 1901 als drittes Kind des Kaufmanns Franz Xaver Laub (1871–1950) und seiner Ehefrau Dorothea Laub, geb. Drentwett, verwitwete Hofmann (1867–1950) in Lechhausen geboren. Der Vater arbeitete in der Finanzabteilung der Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA) und wird in späteren Adressbüchern als „Fabrikkassier a. D.“ (1929) oder als „Kassenverwalter i. R.“ (1940) geführt.

Bei Ernas Geburt wohnte die Familie in der Oberen Lechdammstraße 1 a, der späteren Radetzkystraße. 1924/25 ist sie in der Radetzkystraße 5/I gemeldet. 1927 zog die Familie in die Alexanderstraße 13/I, die dann den Namen Nibelungenstraße erhielt. Das ist auch Ernas letzte Augsburger Adresse. Nach der Bombennacht vom 25./26. Februar 1944 zogen Franz und Dorothea Laub zu ihrer ältesten Tochter Meta nach Westheim.

Neben dieser älteren Schwester Meta (1898–1981) hatte Erna noch zwei Geschwister: den Bruder Franz jr. (1896–1968) und die jüngere Schwester Friederike Dorothea (1906–1986). Außerdem gehörten noch zwei weitere Kinder aus der ersten Ehe von Dorothea Laub zur Familie: Ida (geb. 1889) und Emil (geb. 1892).

Im Alter von 23 Jahren wurde Erna am 11. Dezember 1924 von ihrem Hausarzt Dr. Willburger mit der Diagnose „Schizophrenie“ ins Städtische Krankenhaus Augsburg überwiesen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie als „Kinderfräulein“ bei einer Baronin von Reitzenstein. Bei der Einweisung ins Krankenhaus gibt der Vater an, sie sei immer schon „ein eigenartiges, verschlossenes Kind gewesen, man habe sie in der Familie immer als sonderliches Wesen angesehen“. In den letzten Wochen sei sie „auffallend gleichgültig gegen alles“. Zugleich sei es zu Erregungszuständen gekommen und sie sei „tätlich gegen Angehörige geworden“. Die Rede ist auch von einer unglücklichen Liebschaft zu einem Lehrer.

Bereits zwei Tage später, am 13. Dezember 1924, wird Erna in die Kreis-Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren verlegt. Ein halbes Jahr später, am 28. Mai 1925, wird sie nach Hause entlassen.

Vier Jahre später, am 3. November 1929, kommt sie erneut wegen „Verwirrtheitszuständen“ mit der Diagnose „Hebephrenie“ ins Städtische Krankenhaus Augsburg. Am 19. November wird sie mit Zustimmung des Vaters wieder nach Kaufbeuren überwiesen.

Über ihre Krankengeschichte liegt eine Akte von 32 Seiten aus dem Bundesarchiv vor. Sie enthält neben Briefen des Vaters und ausführlichen Berichten des Städtischen Krankenhauses Augsburg größtenteils handschriftliche Aufzeichnungen der Pflegekräfte in Kaufbeuren sowie ein Foto. In unregelmäßigen Abständen werden alltägliche Beobachtungen dokumentiert, über Therapieversuche wird nur am Rande berichtet. Ernas Zustand ändert sich offenbar in den folgenden Jahren kaum. Sie erhält gelegentlich Besuch von der Familie. Am 11. September 1939, nach fast zehn Jahren in Kaufbeuren, wird sie in die Außenstelle Irsee verlegt. Von dort wird sie am 27. August 1940 mit einem der „Grauen Busse“ nach Grafeneck deportiert und vermutlich am gleichen Tag im Rahmen der NS-Aktion T4 ermordet. Auf der Geburtsurkunde wurde handschriftlich das fiktive Sterbedatum 10.9.1940 notiert, das ein eigens eingerichtetes Standesamt in Grafeneck nach Augsburg meldete.

Wolfgang Leeb
Händelweg 1 c
86179 Augsburg
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Bundesarchiv Berlin
– Patientenakte von Erna Laub

Stadtarchiv Augsburg
– Geburtsurkunde
– Meldekarten

Adressbücher der Stadt Augsburg