Elio Galluccio.

Elio Galluccio

Geboren: 17.11.1921, Galluccio, Italien

Gestorben: 30.12.1980, Galluccio, Italien

Wohnorte

Galluccio, Italien

Orte der Verfolgung

Stalag (Stammlager) VIIB in Memmingen

Zwangsarbeiter bei der Firma Transehe, Gersthofen

Weitere Informationen

Elio Galluccio, geb. am 17. November 1921 in Galluccio, Italien

Zwangsarbeiter in Gersthofen seit Ende September 1943
verstorben am 30.12.1980

Deportation nach Deutschland

Nach einer von deutschen Militäreinheiten und der Waffen-SS in der Nacht vom 22. auf den 23. September 1943 durchgeführten Razzia wird Elio in einem Viehwagon unter unvorstellbaren Bedingungen in das Stalag Memmingen VIIB nach Deutschland deportiert.

Während der Reise wird er von der mit Gewehren ausgestatteten Wachbegleitung durch Kolbenschläge misshandelt. Während eines Bombenangriffs wird er an einem Fuß verletzt. Die Wunde muss verheilen, ohne dass die Splitter entfernt werden.

Zwangsarbeit in Gersthofen bei der Firma Transehe

Er leistet Zwangsarbeit bei Firmen, die Arbeitskräfte angefordert hatten. Gemeinsam mit 14 weiteren sehr jungen Männern aus seinem Heimatort Galluccio wird er in Gersthofen bei der Firma Transehe zur Zwangsarbeit eingeteilt. Aus den Tagebüchern von Anselmo Mazzi und Giorgio Gregori sowie Fulvio Depetroni wissen wir sehr viel über den Lageralltag im IMI-Barackenlager in Gersthofen.

Lebens- und Arbeitsbedingungen in Gersthofen

Die verabreichte Nahrung besteht aus einem Runkelstücke enthaltenen Sud. Elio selbst besorgt sich Kartoffeln, die er auf den Feldern findet. Diese schneidet er klein und erhitzt sie an den Abzugsröhren der in den Unterkunftsbaracken zur Beheizung aufgestellten Öfen.

Oft bittet Elio deutsche Familien um Nahrungsmittel, indem er aus Schilf und Weidenzweigen geflochtene Körbe zum Tausch anbietet, die er zusammen mit seinem Landsmann Generoso Sanganato in der arbeitsfreien Zeit herstellt.

Um sich nachts vor der Kälte zu schützen, schläft er des Öfteren auf Misthaufen, da diese ihm die Gelegenheit bieten, die durch den Fäulnisprozess entstehende Wärme auszunutzen. Nach August 1944 werden die Italiener nicht mehr von der Wehrmacht, sondern von Polizisten bewacht, hin und wieder ist ihnen der Ausgang in die Stadt gestattet.

Langfristige körperliche Leiden

Elio erkrankt an einem Lungenabszess, deshalb müssen ihm zwei Rippen entfernt werden. Dies führte zu schweren Lungenbeschwerden, die ihn Zeit seines Lebens begleiten. Elio verstirbt im Alter von 59 Jahren.

Die einzige Anerkennung, die ihm am 21. März 1962 zugestanden wurde, ist das Kriegsverdienstkreuz, das er für seine Internierung in Deutschland erhält.

Wir wollen an den aufrechten Mann mit einem Stolperstein erinnern.

Biografie erstellt von Dr. Bernhard Lehmann, Gegen Vergessen-Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben, bernhard.lehmann@gmx.de

 

Emilio Calce, Memorie di un ultraottuagenario
1995 in deutscher Übersetzung:
Auszüge aus den Erinnerungen eines über-80-Jährigen

Die Nacht des Terrors in Galluccio (Caserta)

In jungen Jahren unseres Priesteramtes durchlebten wir, vor allem in der Zeit des zweiten Weltkrieges zwischen 1940–1945, viel Unglück unterschiedlichster Art. Einiges davon werden wir erzählen, vor allem um ein Bild über die höllische Säuberungsaktion abzugeben, die unsere Männer in der Nacht vom 23. September 1943 durchlebten, als die deutsche SS bei Finsternis in das Dorf Galluccio einbrach, um die Männer aus ihren Familien zu reißen und sie ins Vernichtungslager zu bringen. (…)

Bereits am Vorabend hatten wir Leuchtraketen am Himmel über dem Marinehafen von Formia entdeckt, diese ließen uns glauben, die Alliierten seien an Land gekommen, doch die Ereignisse bewiesen uns das Gegenteil. Durch einen Spalt am Fenster konnten wir beobachten, wie gegen Mitternacht eine Gruppe Soldaten mit Taschenlampen durch die Türschlösser leuchteten. Einige Minuten später befanden wir uns durch ihr schreckliches Gebrüll und durch die Schüsse ihrer Maschinengewehre in der Hölle. Im Chor brüllend und unter den Schüssen ihrer Waffen forderten sie, dass Türen geöffnet werden, aber keiner wagte es, diesen seltsamen Stimmen zu gehorchen, und so hörte man aus den Schlafzimmern nur das Weinen der Frauen und Kinder. Das berüchtigte Heer Hitlers hielt das Dorf mit automatischen Waffenstellungen auf den Zufahrtsstraßen und den umliegenden Hügeln besetzt und sortierte die Männer aus, um sie nach Deutschland abzutransportieren. Blinde Angst machte sich unter allen breit, denn diese Teufel stellten ihre Militärlastwagen direkt neben den Häusern ab und sprangen vom Lastwagen auf die Balkone der Häuser, schlugen die Fenster ein und drangen in die Schlafzimmer ein, wo sie die Männer ihren erschreckten Familien entrissen.

Wir waren die Einzigen, die dieser schrecklichen Gefangennahme entkamen. Der Herr hatte uns vor diesen unmenschlichen Torturen bewahrt, weil wir noch andere Missionen zu Gunsten unseres Volkes verrichten sollten. Zuerst verbarrikadierten wir uns in der Kirche, aber als wir merkten, dass die SS-Soldaten bis in den angrenzenden Bauernhof vorgedrungen waren, von dem man an den heiligen Ort des fürstlichen Palastes durch eine kleine Tür hinter dem Chorstuhl gelangen konnte, stiegen wir durch ein Fenster über einen Felsen auf der Rückseite des Pfarrhauses bei Nacht auf den Saumpfad herab. Dabei hielten wir uns an Brombeersträuchern und Zweigen fest, die entlang der Mauer gewachsen waren, und rannten dann in nächste Dorf, um die Männer von Vaglie zu warnen, damit diese sich in Verstecke auf dem Land retten konnten. Bei Sonnenaufgang kamen einige Soldaten von Galluccio nach Vaglie, aber als sie das Dorf erreichten, fanden sie außer Frauen und Kinder niemand vor.

Wir hielten uns den ganzen Tag über, gemeinsam mit einigen jungen Männern, in einer Vertiefung des Saumpfades unter einem Felsen versteckt.

Den ganzen Tag über suchten uns einige deutsche Soldaten, doch ihr Versuch blieb wie durch ein Wunder erfolglos. Ebenso erfolglos blieben ihre Bemühungen, durch Schreie und Schüsse die anderen Männer von Vaglie einzuschüchtern, um diese aus den Verstecken zu locken. (…)

Als bei Sonnenuntergang die Männer der SS mit den gefangengenommenen Männern aus Sessa Aurunca abzogen, stiegen wir aus unseren Verstecken hervor, um uns zu versammeln. Dort trafen wir die ersten Übereinkünfte. Einige, außer sich, drohten den ersten Deutschen, der ihre Straße quert, umzubringen. Wir forderten sie auf, keine Verbrechen zu begehen und vereint zu bleiben, nicht um anzugreifen, sondern um zu verteidigen. Das menschliche Fleisch schrie nach Rache, auch wenn den Soldaten selbst keine Schuld für ihre Taten zugesprochen werden konnte, da sie nur den Befehlen gehorchten. Außerdem ging das Gerücht um, dass Hitlers Wehrmacht zehn Italiener für jeden deutschen getöteten Soldaten umbringen würde. In diesem Fall wären die schuldlosen Frauen und Kinder unseres Dorfes die Opfer gewesen. Alle hörten mit großer Aufmerksamkeit unseren Ausführungen zu und sie verstanden, dass Gewalt nur neue Gewalt provoziert hätte, und sie versprachen, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen.

Tatsächlich schafften wir es später, ein ziviles Zusammenleben mit den Besatzungstruppen zu vereinbaren und unser Volk vor Übergriffen, Gewalttaten und Plünderungen zu bewahren.

Außerdem erwiesen sich die Männer, die wir vor der Gefangenschaft bewahrt hatten, mit der Zeit als sehr nützlich für das Dorf und ihr Vaterland. Sie dienten als Informanten der Alliierten, denen sie zu den undenkbarsten Tag- und Nachtzeiten wichtige Notizen eines hochrangigen Offiziers von Stato Maggiore überbrachten, der sich in den felsigen Schluchten des Monte Camino als Bauer ausgab.

Die Alliierten nannten uns deshalb „Die Bande vom Monte Camino“, und mehrmals lobten sie unseren Mut und schätzten unseren wichtigen Beitrag im gemeinsamen Versuch, das Vaterland zu befreien.

Der Staatspräsident zeichnete uns am 17. Juli 1951 mit folgender Begründung durch das Kriegsverdienstkreuz aus: „Zu Zeiten der Besetzung durch die Deutschen begleiteten sie die Aktivitäten der Partisanen in unmittelbarer Nähe der feindlichen Linie, sie führten gefährliche Missionen durch und bewiesen somit ihren Mut und ihre Treue zum Vaterland in der Gegend von Monte Camino (Napoli).“

Der hohe Offizier von Stato Maggiore, der persönlich unsere Aktivitäten und die gefährlichen Missionen kannte, in denen wir erst unter Lebensgefahr die Männer von Vaglie und später weitere unbekannte Personen, sowie schließlich auch die gesamten Kunstschätze und das lokale Kulturerbe zu Zeiten der nationalsozialistischen Besetzung gerettet hatten, schlug uns für die höchste Auszeichnung vor, „die Goldmedaille für Kriegsverdienste“. Er war sehr überrascht und enttäuscht, als er erfuhr, dass wir das Kriegsverdienstkreuz erhalten hatten. (..)

Im folgenden Kapitel werden wir, auf Anfrage der italienischen Behörden, die Niederschriften von Offizier Berlettano anfügen.

Nach dem Krieg wollten die Männer von Vaglie, die erkannt hatten, dass sie dem Vernichtungslager in Deutschland dank dem mutigen und lebensgefährlichen nächtlichen Einsatz von Don Emilio Calce entkommen waren, durch eine Versammlung der „Bruderschaft“ Ehre erweisen.

In Vaglie hatte es von jeher eine lebendige und fromme Bruderschaft gegeben, der mit großem Stolz alle Männer und Frauen des Dorfes angehörten. Diese löste sich nach dem Krieg in den Sechzigerjahren auf. (..)

Bericht des Offiziers von Stato Maggiore

(Dieser Bericht erzählt aus der Sicht des Offiziers die Ereignisse dieser Nacht sowie die mutigen Einsätze von Don Emilio, der dank seines Glaubens, seiner Aufopferung für das Volk und der eingegangenen Risiken zur Befreiung des Vaterlandes beigetragen hat.)

Stadtarchiv Gersthofen

Interview mit Giuseppe Galluccio in Galluccio 2003

Dokumente aus dem Privatbesitz von Giuseppe Galluccio aus Galluccio, Caserta, Italien

Emilio Calce, Memorie di un ultraottuagenario, 1995
In deutscher Übersetzung „Erinnerungen eines über 80-Jährigen“, Zusammenfassender Auszug aus dem Buch „Memorie d’un Ultraottuagenario“ (Erinnerungen eines Überachtzigjährigen) von Emilio Calce, Seite 26, 3. Absatz, bis Seite 28, 3. Absatz.