Dola Rubin, geb. Wojdyslawska

Geboren: 30.05.1920, Łódź

Gestorben: 09.01.2021, Wilmington (Delaware)/USA

Wohnorte

Łódź/Polen
Tel Aviv/Israel
Hamburg
Wilmington (Delaware)/USA

Orte der Verfolgung

Zwangsarbeit Litzmannstadt

Ghetto Piotrków

Arbeitslager Skarżysko-Kamienna-Hasag

Arbeitslager Częstochowa-Hasag

KZ Bergen-Belsen

KZ-Außenlager Burgau

KZ-Außenkommando Haunstetten

Weitere Informationen

Aus der Biografie von Frau Dola Rubin, geb. Wojdyslawska;
„KZ-Häftlingsnummer: 143745“

Versuch einer Rekonstruktion

Am 15. März 1945 ist die „Schutzhaft“-Jüdin/“Politischer Häftling“ Frau Dola Gleichgewicht, geborene Wojdyslawska, unter der KZ-„Häftlingsnummer“ 143745 an die Flugzeugwerke der Messerschmitt AG in Haunstetten überstellt worden. Sie war Teil eines ursprünglich ca. 500 Jüdinnen umfassenden Transport, der am 5. März 1945 aus dem KZ Bergen-Belsen in einem Viehwaggon nach dem KZ-Außenlager Burgau gebracht worden war.

500 Jüdinnen waren mit Dola Gleichgewicht in jenem Viehwaggonzug unter schlimmsten unhygienischen Umständen aus Bergen-Belsen nach Burgau unterwegs gewesen, ehe der Transport am 5. März 1945 eintraf. Zwei Tage später erfasste ein extra aus dem KZ-Stammlager Dachau herbeigerufener Schreiber, der gleich seine Aufnahmeformulare aus Dachau nach Burgau mitgebracht hatte, diesen Transport.

Am 5. März 1945 traf ein weiterer Zugtransport mit ebenfalls 500 Jüdinnen aus Ravensbrück ein; dieser Transport aus dem KZ Ravensbrück soll aber vorher auf dem Bahnhof Augsburg-Hochzoll halt gemacht haben, um fünf jüdisch-ungarische Frauen, die unterwegs verstorben waren zu „entladen“.

Der Personalbogen von Dola Gleichgewicht nennt dann auch ihre Geburtsangaben mit 20. Mai 1920; Łódź/Polen (nach dem deutschen Überfall hieß Łódź von 1939-1945 Litzmannstadt).1

Dola Gleichgewicht, geborene Wojdyslawska war offenbar nach ihrer Ehe mit Adolf Gleichgewicht mit Moses Alexander Rubin verheiratet. Die Eltern waren die 1945 bereits verstorbenen Pinkus und Feige Wojdyslawska, sie eine geborene Wiener.

Sie war sehr sprachbegabt und als Medizinstudentin an der Universität immatrikuliert, sie sprach Deutsch, Französisch und Polnisch.

In Litzmannstadt leistete Dola Gleichgewicht Zwangsarbeit. Vom Dezember 1940 bis November 1942 war sie im Ghetto Piotrków; danach kam sie in das Arbeitslager Skarżysko-Kamienna (hier war sie von August 1941 bis Dezember 1944). Vom November 1942 bis Mai 1944 wird sie als Arbeiterin im Arbeitslager Skarżysko-Kamienna-Hasag, vom Mai 1944 bis Januar 1945 im Arbeitslager Częstochowa – Hasag genannt.

Dola Gleichgewicht hielt sich danach vom Januar 1945 (bis zur Abfahrt in das Nebenlager des KZ-Stammlagers Dachau) im KZ Bergen-Belsen auf. Von dort kam sie in der Nacht vom 3. auf den 4. März 1945 zusammen mit 497 weiteren Jüdinnen v. a. aus Polen im KZ-Außenlager Burgau (Jahnsportplatz) an. Das Gelände umfasste ca. 36.000 qm. Die 498 „Schutzhaft“-Jüdinnen waren nach ca. zwei Wochen Transport ka­ch­ek­tisch-unterernährt und stark geschwächt. Nach 10- bis 11-tägiger Arbeitsunfähigkeit sorgte der Lagerkommandant und SS-Oberscharführer des KZ-Außenlagers für den Weiterstransport von 77 Jüdinnen in das KZ-Außenkommando Haunstetten, unter ihnen Dola Gleichgewicht.

Am 27. April 1945 wurde sie in Türkheim von der US-Armee befeit und hielt sich vom 27. April 1945 bis April 1946 im benachbarten Memmingen, Moltkestraße 1, auf. Danach zog sie in die Farchet-Siedlung in Wolfratshausen und anschließend in die Badstraße 102. Von dort siedelte sie im September 1950 nach Tel Aviv/Israel über.

Sie lebte lange Zeit in Hamburg und ist am 9. Januar 2021 in Wilmington (Delaware)/USA gestorben.

Robert Dürr/Augsburg

  1. ITS Digital Archive, Arolsen Archives, Häftlingspersonalbogen Dola Gleichgewicht, Dachau, 1.161 2/10068010.

ITS Digital Archive, Arolsen Archives

https://www.legacy.com/us/obituaries/delawareonline/name/dola-rubin-obituary?id=7141236