Berta Lammfromm. (Avraham Lammfromm)

Berta Lammfromm, geb. Birnzweig

Geboren: 08.12.1891, Wiesbaden

Gestorben: Datum nicht bekannt, Ort nicht bekannt

Wohnorte

Wiesbaden
Deisenhofen
Unterbaar, Hauptstraße 13
Augsburg, Hermanstraße 3
Augsburg, Maximilianstraße 14

Orte der Verfolgung

Deportation
am 2. April 1942
von Augsburg
über München-Milbertshofen
nach Piaski

Weitere Informationen

Berta Lammfromm, geb. Birnzweig

Berta Lammfromm, geb. Birnzweig, wurde am 8.12.1891 in Wiesbaden geboren.1 Ihre Eltern waren Daniel Birnzweig und Rosa Birnzweig, geb. Weiss. Sie stammte aus einer seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Wiesbaden ansässigen Familie. Berta wuchs mit mehreren Geschwistern auf. Zwei Brüder fielen im Ersten Weltkrieg als Soldaten für das deutsche Heer.

Die Schwester Helene Birnzweig (geboren 1.4.1893 in Wiesbaden) heiratete den Kaufmann Rudolf Schwarz aus Binswangen. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Otto (geb. 1921) und Manfred (geb. 1922). Rudolf Schwarz wurde nach dem Novemberpogrom 1938 festgenommen und nach Buchenwald gebracht, schwer erkrankt kam er im Dezember 1938 zurück.

Die beiden Söhne verloren ihre Arbeitsstellen als Mechaniker, konnten aber im August 1939 nach Schweden fliehen. Helene und Rudolf Schwarz wurden 1942 von Wiesbaden aus deportiert und ermordet.2

Die älteste Schwester Martha Birnzweig (geb. am 26.5.1890 in Wiesbaden) heiratete Alfred Ellinger aus Hohensalza/Posen.3 Sie hatten einen Sohn, Helmut Daniel. Die Familie Ellinger, ebenso wie die Verlobte von Helmut – Hedwig Woller – wurden 1942 von Wiesbaden aus deportiert und ermordet.4

Berta heiratete am 15.12.1919 in Fürth Josef Lammfromm aus Buttenwiesen. Als einziges Kind wurde am 25.05.1921 der Sohn Siegfried in Oberhaching/München geboren, zwei Monate nachdem sein Cousin Otto in Wiesbaden auf die Welt kam.5

Berta und Joseph Lammfromm. (Avraham Lammfromm)

 

Am 1.11.1930 zog Berta mit Mann und Sohn nach Unterbaar, einem kleinen bayerischen Dorf im heutigen Landkreis Aichach-Friedberg.6 Josef Lammfromm war von Beruf Buchhalter und hatte in der Schlossbrauerei eine Anstellung im Büro erhalten. Der Besitzer des Unterbaarer Schlossgutes mit Brauerei war zu dieser Zeit Gustav Einstein, der wie Josef Lammfromm aus Buttenwiesen stammte.

Die Lammfromms wohnten in einem Mietshaus mit weiteren vier Parteien, Haus Nr. 8a, heute Hauptstraße 13.

Berta war Hausfrau und kümmerte sich um den damals schulpflichtigen Siegfried. Zu den Hausmitbewohnern pflegte die jüdische Familie gute nachbarschaftliche Beziehungen, v.a. zu der direkten Wohnungsnachbarin Katharina Angerer, die von Beruf Näherin war. Frau Angerer hatte mehrere Kinder, ein Sohn hieß ebenso Siegfried.

Siegfried Lammfromm. (Avraham Lammfromm)

 

Im Mietshaus und bei den umliegenden Nachbarn waren die Lammfromms als rechtschaffene und freundliche Leute bekannt.7

Nazipropaganda und Antisemitismus breiteten sich jedoch auch in Unter- und Oberbaar (heute Baar/Schw.) aus. Gustav Einstein erkannte die Gefahren und floh im Frühjahr 1933 mit Frau und Tochter über die Schweiz nach Amerika. Sein Besitz ging an die Dresdner Bank über und wurde im Herbst 1933 an Hans Emslander verkauft.8

Berta und ihre Familie blieben weiterhin in Unterbaar in Haus Nr. 8a wohnen.9 Siegfried hatte eine höhere Schule besucht, dies war ihm jedoch ab 1938 verboten worden. Auch der Besuch in der Dorfschule wurde ihm versagt. Der Dorflehrer Herr Fuchs war „in der Partei“ und leitete die Hitlerjugend. Am Abend des 9.11.1938 sammelten sich randalierende und lärmende Unter- und Oberbaarer vor dem Haus, in dem die Lammfromms wohnten. Mit Stöcken wurde auf den Boden geklopft, die Fensterscheiben der Wohnung mit Steinen eingeworfen. Berta Lammfromm rannte aufgeschreckt in die Nachbarwohnung zu Katharina Angerer und holte sie zu sich herüber. Die beiden Frauen fanden einen Ziegelstein, der durchs Schlafzimmerfenster geworfen worden war, auf dem Bett von Josef Lammfromm. Glücklicherweise hatte Bertas Mann an diesem Abend in einem anderen, beheizten Raum geschlafen, da er erkrankt war. An Schlaf war in dieser Nacht jedoch nicht mehr zu denken, weder für die Familie Lammfromm, noch für einige andere Dorfbewohner, zu denen der Pöbel weiterzog.10

Berta und ihre Familie konnten nicht mehr lange in Unterbaar bleiben. Am 31.12.1938 mussten sie nach Augsburg umziehen. Erster Aufenthaltsort war in der Hermanstraße 3.11 Am 14.8.1939 mussten sie wiederum umziehen in ein sogenanntes Judenhaus in die Maximilianstraße 14/2.St.12

Bertas Neffen Otto und Manfred Schwarz gelang kurz darauf die Flucht nach Schweden. Ihre Mutter, Bertas Schwester Helene, hatte einen überglücklichen Kartengruß an ihre Söhne geschrieben:

„Liebe Kinder!

Mit großer inniger Freude hielten wir heute Eure Ankunftskarte in Händen. G. s. D. (Gott sei Dank), dass Ihr gesund und munter an Euren Bestimmungsorte ankamet. Wir wollen es lieber Melli, die immer wieder anfragt, schreiben, wenn Ihr es aber auch tuen würdet, wäre es besser. Die Adresse von Tante Berta ist: Maximilianstr. 14/II. Von uns kann G. s. D. Gutes berichten, hoffen wir zu Gott, dass immer Scholaim (Wohlergehen) ist. Helmut schrieb jetzt wegen seiner Papiere, also geht es jetzt auch mit ihm voran.

Nun liebe Kinder bleibt weiter recht gesund und munter und seid bis auf Weiteres herzlichst und 1000000x gek. von Eurer Mama.“13

Die ehemalige Nachbarin Frau Angerer und auch andere Baarer besuchten die Lammfromms in Augsburg und brachten ihnen Lebensmittel mit. Bei ihrem – auf Wunsch der Lammfromms – letzten Besuch nahmen Berta und ihr Mann Butter, Eier etc. nicht mehr an. Es würden Kontrollen durchgeführt und wenn Lebensmittel gefunden werden, müssten sie der SS die Lieferanten nennen. Als weiteren Grund nannten sie, dass die baldige „Übersiedlung in den Osten“ bevorstünde. Berta Lammfromm schenkte ihre Nähmaschine der ehemaligen Nachbarin Katharina Angerer, da diese Näherin war. Das Ehepaar versprach, eine Karte zu schicken, sobald die Umsiedlung in den Osten anstehe. Herr Angerer holte einige Tage später die Nähmaschine aus Augsburg ab.

Nach einer Weile kam auch der versprochene unauffällige Kartengruß von Lammfromms an. Danach hörte Frau Angerer nie mehr wieder etwas von den ihr lieb gewordenen Menschen.14

Am 2. April 1942 wurde Berta Lammfromm mit ihrem Mann und Sohn von Augsburg nach München-Milbertshofen und von dort am 4. April weiter nach Piaski/Ghetto deportiert. In dem Transport befanden sich 989 Personen. Sie kamen am 6.4.1942 in Piaski an.15 Berta stand auf Blatt 37 mit der Nummer 686 auf der Transportliste.16

Über das Ghetto in Piaski/Polen schrieb Gernot Römer: „Wer nicht den Lebensumständen im Ghetto sowie der Zwangsarbeit beim Torfstechen zum Opfer fiel, starb in den Vernichtungslagern. Keiner der bayerischen Deportierten kehrte lebend zurück.“17

Berta wurde ermordet.18 Das Todesdatum ist unbekannt.

Angela Hakelberg

  1. Gemeindearchiv Buttenwiesen, Sammlung Franz Xaver Neuner.
  2. https://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/deportations/wiesbaden_related_document2.asp.
  3. http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Schwarz-Rudolf.pdf.
  4. https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/gedenkblatter-fur-ermordete-wiesbadener-juden-ottilie-herz-und-familie-martha-und-alfred-ellinger-mit-sohn-helmut-daniel-und-hedwig-woller_17453287.
  5. Gemeindearchiv Buttenwiesen, Sammlung Franz Xaver Neuner.
  6.   Gemeindearchiv Buttenwiesen, Sammlung Franz Xaver Neuner.
  7. Hannelore Schaller, Juden in Baar in einer schicksalsträchtigen Zeit, aufgeschrieben nach Berichten von Frau Katharina Angerer und anderen Zeitzeugen, Baar 1989 (unveröffentlicht).
  8. Josef Balle und Joseph Heider, Königsgut Barre und Hofmark Baar: Oberbaar – Unterbaar – Wiesenbach, Neuburg a. d. Donau 1961.
  9. Adressbuch Neuburg a. d. Donau, Unterbaar 1935 und Adressbuch Neuburg a. d. Donau, Unterbaar 1938 (eingesehen im Staatsarchiv Augsburg).
  10. Hannelore Schaller, Juden in Baar in einer schicksalsträchtigen Zeit, aufgeschrieben nach Berichten von Frau Katharina Angerer und anderen Zeitzeugen, Baar 1989 (unveröffentlicht).
  11. StadtAA, PB Hermanstraße 3 (mit freundlicher Unterstützung von Herrn Georg Feuerer).
  12. StadtAA, PB Maxstraße 14 (mit freundlicher Unterstützung von Herrn Georg Feuerer).
  13. http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Schwarz-Rudolf.pdf.
  14. Hannelore Schaller, Juden in Baar in einer schicksalsträchtigen Zeit, aufgeschrieben nach Berichten von Frau Katharina Angerer und anderen Zeitzeugen, Baar 1989 (unveröffentlicht).
  15. https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/chronicles.html?page=1.
  16. http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_420404.html.
  17. Gernot Römer, Piaski: Gedenktafel verschwunden, in: Augsburger Allgemeine vom 30.6.2004.
  18. https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_lastName=Lammfromm&s_firstName=Berta&s_place=&s_dateOfBirth=.

Joseph Lammfromm

Geboren

18.03.1888

Gestorben

Datum nicht bekannt

Letzter freiwilliger Wohnort

Unterbaar, Hauptstraße 13

Gemeindearchiv Buttenwiesen
– Sammlung Franz Xaver Neuner

Stadtarchiv Augsburg (StadtAA)
Polizeibogen (PB)
– Hermanstraße 3
– Maximilianstraße 14

Adressbuch Neuburg a. d. Donau, Unterbaar 1935.

Adressbuch Neuburg a. d. Donau, Unterbaar 1938.

Gernot Römer, Piaski: Gedenktafel verschwunden, in: Augsburger Allgemeine vom 30.6.2004.

http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Schwarz-Rudolf.pdf

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/chronicles.html?page=1

http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_420404.html

https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/gedenkblatter-fur-ermordete-wiesbadener-juden-ottilie-herz-und-familie-martha-und-alfred-ellinger-mit-sohn-helmut-daniel-und-hedwig-woller_17453287. firstName=Berta&s_place=&s_dateOfBirth=

https://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/deportations/wiesbaden_related_document2.asp

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_lastName=Lammfromm&s_

 

Josef Balle und Joseph Heider, Königsgut Barre und Hofmark Baar: Oberbaar – Unterbaar – Wiesenbach, Neuburg a. d. Donau 1961.

Hannelore Schaller, Juden in Baar in einer schicksalsträchtigen Zeit, aufgeschrieben nach Berichten von Frau Katharina Angerer und anderen Zeitzeugen, Baar 1989 (unveröffentlicht).