Passfoto Albert Emanuel, Dezember 1931 (Stadtarchiv Oettingen/Sammlung Josef Fischer)

Albert Emanuel

Geboren: 24.10.1900, Oettingen/Bayern

Gestorben: 25.11.1941, Kaunas

Wohnorte

Oettingen/Bayern, Pfarrgasse A59
Bochum, Weiherstraße 76
Oettingen/Bayern
Augsburg, Brunhildenstraße 1

Orte der Verfolgung

Deportation
am 20. November 1941
von München-Milbertshofen
nach Kaunas (Kowno), Litauen

Weitere Informationen

Eltern

Albert Emanuel wurde am 24. Oktober 1900 in Oettingen in Bayern als einziger Sohn von Bertha, geborene Mandelbaum, und Louis1 Emanuel geboren.2 Er lebte dort mit seinen Eltern in der Pfarrgasse A59.3

Seine Mutter wurde am 13. Juni 1875 in Crailsheim geboren und hatte fünf Geschwister.4 Am 13. August 1899 heiratete sie Louis Emanuel. Dieser wurde am 18. Dezember in Steinhart im Ries geboren und hatte 1899 das Gemeindebürgerrecht in Oettingen erworben.5 Das Paar führte dort viele Jahre ein Schuhwarengeschäft, wobei Bertha Emanuel offiziell keinen Beruf ausübte.6 In den Akten des Entschädigungsverfahrens für Bertha Emanuel finden sich eidesstattlichen Erklärungen von Georg Feyertag und Walburga Weingärtner. Sie beschreiben das Ehepaar als sehr freundlich und aufmerksam.7 Jeder Bewohner der Stadt Oettingen habe mindestens einmal im Jahr in dem Schuhgeschäft eingekauft.8 Es wird aber auch beschrieben, dass sich die Stimmung in der Stadt schon vor dem nationalsozialistischen Boykott der jüdischen Geschäfte verändert habe und sich niemand mehr traute, dort einzukaufen.9

Schon ab 1931 gingen die Geschäfte zunehmend schlechter. Wie einem Schreiben des Finanzamts Nördlingen vom 14. Januar 1958 zu entnehmen ist, sank das Einkommen von 3.280 Reichsmark im Jahr 1930 auf 2.780 Reichsmark im Jahr 1931 und im Folgejahr dann auf 1.760 Reichsmark.10

Am 1. Juni 1934 starb der Vater in Oettingen. Nach seinem Tod zog seine Frau am 30. Dezember 1934 nach Würzburg in das israelitische Altersheim in der Konradstraße 5.11 Deportiert wurde sie dort von der Geheimen Staatspolizei München am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 2. Januar 1943 starb.12

Bochum und Oettingen

Am 20. Juni 1922 zog Albert Emanual aus der Weiherstraße 76 in Bochum nach Oettingen zurück.13 Wann er dorthin gezogen war, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Wahrscheinlich arbeitete er dort als Handelsvertreter für Schuhwaren14 und wohnte bei seiner Tante Fanny Stern und deren Ehemann Jakob Stern.15

Zehn Jahre nach seiner Rückkehr nach Oettingen heiratete er am 4. März 1932 Emma16 Gern, mit welcher er am 25. April 1933 den Sohn Hans Heinz bekam.17 Sie war am 1. Juni 1906 im fränkischen Georgensgmünd geboren worden18, wo sie die Schule besuchte und im Schuljahr 1920 regulär abschloss.19 Die Eheleute trennten sich wieder, der genaue Zeitpunkt ist jedoch nicht bekannt. Am 26. Mai 1939 wurde die Ehe dann offiziell geschieden.20

Nach dem Tod seines Vaters übernahm er das Schuhgeschäft in Oettingen, bis er es am 16. Dezember 1938 erzwungenermaßen schließen musste. Beim Amtsgericht Neuburg ließ er eintragen, dass die Firma erloschen sei.21 Schon 1935 wurde er aus der Feuerwehr in Oettingen ausgeschlossen.22

Emma Emanuel, geb. Gern

Emma Emanuel, geb. Gern, war schon am 1. Oktober 1936 mit ihrem Sohn Hans Heinz und ihrem neuen Partner Alfred Michelbacher zu dessen Bruder Max Michelbacher nach Stuttgart in die Hauptstätter Straße 92/III gezogen.23 Danach wohnten sie in der Hohenstaufenstraße 17A.24

Kurz nach der Hochzeit25 mit Alfred Michelbacher wurde das Ehepaar zusammen Hans Heinz am 1. Dezember 1941 in das Lager Riga-Jungfernhof deportiert. Emma Michelbacher wurde am 26. März 1942 im Wald von Bikernieki ermordet.26 Auch ihr Sohn und ihr Mann kamen gewaltsam zu Tode.27

Pogromnacht und Augsburg

Albert selbst zog am 17. Juli 1939 nach Augsburg in die Brunhildenstraße 1.28 Der Albtraum seiner Verfolgung begann für ihn schon vor seiner Abmeldung in Oettingen, als er am 12. November 1938 im Zuge der Novemberpogrome im Konzentrationslager Dachau inhaftiert wurde. Seine Internierung erfolgte unter der Kategorie Schutzhaft-Jude und er erhielt die Häftlingsnummer 25375.29

Schreibstubenkarte von Albert Emanuel aus dem KZ Dachau. (Arolsen Archives)

 

Am 15. Dezember 1938 wurde er aus der Haft wieder entlassen.30

In Augsburg musste er bis zu seiner Deportation Zwangsarbeit bei der Baufirma Egger in Göggingen leisten.31 Am 20. November 1941 wurde Albert Emanuel von der Geheimen Staatspolizei München nach Kaunas in die Festung „Fort IX“ deportiert.32 Aus den Deportationslisten der Geheimen Staatspolizei geht hervor, dass mit ihm 997 weitere Menschen dorthin verschleppt33 und am 25. November 1941 erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden.34 Bei diesem Massaker wurden insgesamt 1159 Juden, 1600 Jüdinnen und 175 jüdische Kinder ermordet.35 Dies ist im sogenannten „Jäger Bericht“ des SS-Standartenführer Karl Jäger ausführlich vermerkt.36

Da zu diesem Zeitpunkt diese Erkenntnisse noch nicht vorlagen, wurde Albert Emanuel am 7. November 1958 für tot erklärt. Sein Todesdatum wurde auf den 08. Mai 1945 um 24:00 Uhr festgelegt.37

Dies ist ein Auszug aus der Biografie, die von Julia Wasowicz, Schülerin des Oberstufenjahrgangs 2020/2022 am Maria-Ward-Gymnasium Augsburg, im Rahmen des W-Seminars „Jüdische Opfer des Nationalsozialismus im Raum Augsburg“ im Fach Geschichte erarbeitet wurde.

  1. Im Familienstandsbogen für Albert Emanuel wird sein zweiter Vorname „Luis“ geschrieben, in allen anderen Quellen „Louis“, weshalb dieser Name verwendet wird.
  2. BayHStA, LEA 45319.
  3. StadtAOett, Standesamt, Jüdische Standesregister.
  4. BayHStA, LEA 45319.
  5. StadtAOett, FB Louis Emanuel.
  6. BayHStA, LEA 45319.
  7. BayHStA, LEA 45319.
  8. BayHStA, LEA 45319.
  9. BayHStA, LEA 45319.
  10. BayHStA, LEA 45319.
  11. BayHStA, LEA 45319.
  12. https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858725 (aufgerufen am 30.08.2021).
  13. StadtAOett, FB Albert Emanuel.
  14. StadtAOett, FB Albert Emanuel.
  15. StAA AG Augsburg, VI 992/60, Nachlassakten; https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W287J9W8240BOLDDE/$FILE/057_058_Stern_Jakob_und_Fanny.pdf  (aufgerufen am 06.10.2021). Diese wohnten bis 1932 in der Weiherstraße 76.
  16. Sie wird in manchen Quellen auch Emmi oder Emmy genannt.
  17. StadtAOett, FB Albert Emanuel.
  18. StadtAOett, Standesamt, Jüdische Standesregister.
  19. Gerd Berghofer, Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reiches, 2. Auflage, Treuchtlingen 2014, S. 28f. Mit ihr wurden dort 1919 drei weitere jüdische Mädchen und fünf jüdische Jungen unterrichtet.
  20. StadtAOett, FB Albert Emanuel.
  21. StAA AG Augsburg, VI 992/60, Nachlassakten.
  22. StadtAOett, Standesamt, Jüdische Standesregister.
  23. Gerd Berghofer, Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reiches, Treuchtlingen 2014, 2. Auflage, S. 309; Amtliches Stuttgarter Adreßbuch 1935, Stuttgart 1935; Amtliches Stuttgarter Adreßbuch 1936, Stuttgart 1936.
  24. StAA AG Augsburg, VI 992/60, Nachlassakten.
  25. Gerd Berghofer, 2014, S. 310: Von der Eheschließung berichtete sie in einem Brief an eine Georgensgmünder Freundin.
  26. https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858738 (aufgerufen am 30.08.2021); StAA, AG Augsburg, VI 992/60, Nachlassakten; Gerd Berghofer, 2014, S. 309f; Wolfgang Scheffler/Diana Schulle, Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, München 2003, 2 Bde., hier Bd. 2, S. 588.
  27. https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858719 (aufgerufen am 28.02.2022); https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930860 (aufgerufen am 28.02.2022).
  28. StadtAOett, FB Albert Emanuel.
  29. https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10637902 (aufgerufen am 29.08.2021).
  30. https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858716 (aufgerufen am 28.02.2022).
  31. Gerd Berghofer, Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reichs, Treuchtlingen 2013, S.310.
  32. BayHStA, LEA 45319.
  33. https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 30.08.2021).
  34. Maximilian Strnad, Zwischenstation “Judensiedlung”. Verfolgung und Deportation der jüdischen Münchner 1941–1945, München 2011, S. 110; Andreas Heusler, Fahrt in den Tod. Der Mord an den Münchner Juden in Kaunas (Litauen) am 25. November 1941, in: Stadtarchiv München (Hg.),
    »… verzogen, unbekannt wohin.« Die erste Deportation von Münchner Juden im November 1941, Zürich/München 2000, S. 18ff.
  35. Wolfram Wette, Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden, 3. Auflage, Frankfurt 2012, S. 124.
  36. Ebd., S. 236-245.
  37. StAA, AG Augsburg, VI 992/60, Nachlassakten.

Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA)
Landesentschädigungsamt (LEA)
– 45319

Staatsarchiv Augsburg (StAA)
Amtsgericht Augsburg (AG Augsburg)
– VI 992/60, Nachlassakten

Stadtarchiv Oettingen (StadtAOett)
Familienbogen (FB)
– Albert Emanuel

Standesamt, Jüdische Standesregister

Amtliches Stuttgarter Adreßbuch 1935, Stuttgart 1935

Amtliches Stuttgarter Adreßbuch 1936, Stuttgart 1936

https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W287J9W8240BOLDDE/$FILE/057_058_Stern_Jakob_und_Fanny.pdf  (aufgerufen am 06.10.2021)

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858725 (aufgerufen am 30.08.2021)

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858738 (aufgerufen am 30.08.2021)

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858719 (aufgerufen am 28.02.2022)

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930860 (aufgerufen am 28.02.2022)

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858716 (aufgerufen am 28.02.2022)

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10637902 (aufgerufen am 29.08.2021)

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html (aufgerufen am 30.08.2021)

 

Gerd Berghofer, Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reichs, Treuchtlingen 2013.

Gerd Berghofer, Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reiches, 2. Auflage, Treuchtlingen 2014.

Andreas Heusler, Fahrt in den Tod. Der Mord an den Münchner Juden in Kaunas (Litauen) am 25. November 1941, in: Stadtarchiv München (Hg.), »… verzogen, unbekannt wohin.« Die erste Deportation von Münchner Juden im November 1941, Zürich/München 2000.

Wolfgang Scheffler/Diana Schulle, Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, München 2003.

Maximilian Strnad, Zwischenstation “Judensiedlung”. Verfolgung und Deportation der jüdischen Münchner 1941–1945, München 2011.

Wolfram Wette, Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden, 3. Auflage, Frankfurt 2012.