Willibald Lenk

Geboren:
26.09.1897, Mühlheim
Gestorben:
08.09.1940, Dachau

Wohnorte

Greiffstr. 9/I
Riedingerstr. 4/I
Beim Schnarrbrunnen 15
Rosengasse 6/III

Letzter freiwilliger Wohnort

Orte der Verfolgung

Ab 21. November 1936 im KZ-Dachau
27.September 1939 Überführung ins KZ-Mauthausen
18. Februar 1940 Rückführung ins KZ-Dachau
8. September 1940 Ermordung im KZ-Dachau, Strafblock

Biografie

Lenk Willibald1 , geb. 26.9.1897 in Mühlheim, BA Eichstätt, verst. 8.9.1940 im KZ Dachau; Bibelforscher (Bifo), letzter freier Wohnsitz Rosengasse 6/III

Ab 21. November 1936 im KZ-Dachau
27.September 1939 Überführung ins KZ-Mauthausen
18. Februar 1940 Rückführung ins KZ-Dachau
8. September 1940 Ermordung im KZ-Dachau, Strafblock

Elternhaus, Familie, Beruf

Willibald Lenk ist am 26.9.1897 in Mühlheim, BA Eichstätt geboren. Er ist das zwölftgeborene Kind von Sebastian und Amalie Lenk, geb. Ottinger, die auf Hausnr. 23 in Mühlheim wohnen.

Familienkarte des Einwohneramts Mühlheim, BA Eichstätt

Sein Vater ist dort Müller. Seit 1896 befindet sich die Schwammühle im Besitz der Familie Lenk. Der Betrieb der Mühle wird 1924/25 eingestellt2 , bleibt aber noch bis in die 90-er Jahre im Familienbesitz.
Willibald hat 13 Geschwister, von denen – aus welchen Gründen auch immer – nur 5 im Geburtenregister in Mühlheim verzeichnet sind3 . 6 weitere Kinder versterben im Kindesalter4 . Willibalds Vater verstirbt 1940, seine Mutter Amalie 1941 in Mühlheim. Es ist nachvollziehbar, dass den Eltern daran gelegen war, dass die Vielzahl der Kinder baldmöglichst einem Broterwerb nachgehen sollten. Willibald erlernt nach seiner schulischen Ausbildung und Fortbildungsschule den Beruf des Eisendrehers.5

Kriegsteilnahme

Im Alter von 20 Jahren wird er zum 13. Infanterieregiment eingezogen und am 28.9.1917 an die Front abgestellt. Er zieht sich einen Leistenbruch zu und kommt kurz vor Ende des 1. Weltkriegs am 28.9.1918 wegen eines Magenleidens in ein Lazarett. Nach Kriegsende gilt er zu 40% kriegsbeschädigt.6

Umzug nach Augsburg, Familiengründung

Ende Oktober 1919, also nach Kriegsende, taucht der 22-jährige Willibald erstmals in Augsburg auf und lässt sich in der Greiffstraße 9 nieder. Seine Beschäftigungsverhältnisse sind uns unbekannt. Er ist Eisendreher und Monteur, zuletzt bei der LEW beschäftigt7 , alleinstehend und sucht Anschluss. Bald scheint er die Bekanntschaft von Anna Tom gemacht zu haben, die 6 Jahre jünger als er selbst und in Pfersee geboren ist8 . Anna ist Katholikin, er ist freireligiös.

Standesamt Pfersee: Geburtsurkunde von Anna Tom 1903

Die beiden heiraten am 29. Oktober 1921. Das Paar erwartet ein Kind. Ihr Sohn Willy wird am 10. Februar 1922 geboren9 . Die Ehe geht aber sehr bald in die Brüche und wird am 12.7.1924 rechtskräftig „aus beiderseitigem Verschulden“ vom Landgericht Augsburg geschieden10 . Anna verbüßt ab 12. Dezember 1926 eine vom Schwurgericht Augsburg gegen sie verhängte Zuchthausstrafe wegen Meineides von 1 Jahr und 4 Monaten.11

Erneute Verehelichung

Willibald verehelicht sich am 29. November 1924, 4 Monate nach der Scheidung von Anna, mit der zwei Jahre jüngeren Augsburgerin Magdalena Holzhäuser12 . Die Familie wohnt in der Riedingerstr. 4 im ersten Stock, ab Februar 1925 Beim Schnarrbrunnen 15. Sein Sohn Willy aus erster Ehe ist wie er und seine neue Lebensgefährtin Magdalena „freireligiös“.

Willibald Lenk konvertiert zu den Zeugen Jehovas

Willibald Lenk schließt sich 1927 im Alter von 30 Jahren den „Ernsten Bibelforschern“ an. In der Weltwirtschaftskrise verliert er seine Arbeit und lebt von der Arbeiterwohlfahrt von 60 RM und einer Militärrente von 27,20 RM monatlich13 . Fürsorgeempfänger und Arbeitslose gelten im Nationalsozialismus als „asozial“ und werden von den Behörden und der Polizei gnadenlos diszipliniert.14
Anlässlich der Goldenen Hochzeit der Eltern wird 1935 ein Foto der Familie gemacht, auf dem lediglich Willibald Lenk fehlt. Es ist möglich, dass die strikt katholischen Eltern keinen Kontakt mit dem 1927 zu den Zeugen Jehovas konvertierten Sohn pflegen, vielleicht auch wegen der Scheidung seiner ersten Ehe.15

Verfolgung der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

In den zwölf Jahren der NS-Diktatur werden 11.300 deutsche und ausländische Zeugen Jehovas inhaftiert. Zählt man diejenigen Personen dazu, die von Geldstrafen, Rentenentzug, Misshandlungen betroffen sind, steigt die Zahl auf 13.400.
2.000 Zeugen Jehovas kommen ins Konzentrationslager. 950 deutsche und 540 ausländische Verfolgungsopfer überleben die Haftbedingungen nicht, werden ermordet oder hingerichtet16 . Unter diesen 1.490 Toten befinden sich auch die 270 als Kriegsdienstverweigerer exekutierten Zeugen Jehovas. Von der historischen Forschung werden die Zahlen kontinuierlich nach oben korrigiert.17

Verfolgung und Ausgrenzung

Am 24. Juni 1933 werden die Zeugen Jehovas als erste Glaubensgemeinschaft verboten18 . Der Grund dafür lag in der Missachtung des „Deutschen Grußes“, dem Fernbleiben von politischen Organisationen und Veranstaltungen und, seit 1935, der Verweigerung des Militärdienstes19 . Für die Nationalsozialisten waren die Zeugen Jehovas „Wegbereiter des jüdischen Bolschewismus“ und kritisierten ihre „Fremdlenkung“ aus den USA.
Der Nationalsozialismus machte nie einen Hehl daraus, dass die Sekte der Ernsten Bibelforscher als eine „verabscheuungswürdige internationale Organisation“ zu betrachten sei, die, wie Freimaurer, Marxisten und Juden, die Errichtung einer internationalen Weltherrschaft zum Ziele habe20 . Justiz, Polizei und SS versuchten immer wieder, die Ernsten Bibelforscher als „jüdische“ Organisation zu brandmarken.21

Gestapo-Erlass 1937: Schutzhaft für Bibelforscher

Ein Bibelforscher, der den Eid auf Jehova geleistet hatte, konnte unter keinen Umständen die staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen, die der NS-Staat von ihm als deutschem Volksgenossen verlangte. Der Konflikt war damit vorprogrammiert22 . Die Verweigerung des Treue-Eides auf den Führer Adolf Hitler und Verweigerung des Wehrdienstes (unvereinbar mit dem Tötungsverbot der Bibel) waren für den einzelnen Bibelforscher die praktische Konsequenz seines Glaubens. Ein Sonderbericht der SS vom Frühjahr 1935 sprach von den Druckschriften der Zeugen Jehovas mit „offen staatsfeindlichem Charakter“23 . Zwei Jahre später kommentierte ein Gestapo-Beamter, eines der verbotenen Traktate der Bibelforscher stelle „eine einzige Hetze gegen das 3. Reich dar und kann in der Gehässigkeit und beispiellosen Unverschämtheit seiner Ausführungen nicht mehr übertroffen werden“.24

Administrative Maßnahmen

Der NS-Staat ging mit administrativer Härte gegen die Zeugen Jehovas vor. Mit Hilfe der „Notverordnung des Reichspräsidenten „zum Schutze von Volk und Staat“ vom 28.2.1933 wurde die Internationale Bibelforscher-Vereinigung (IBV) mit allen Organisationen der Magdeburger Wachtturm, Bibel- und Traktatgesellschaft in Bayern, Thüringen und Baden aufgelöst und das Vermögen beschlagnahmt. Reinhard Heydrich, damals noch Leiter der politischen Polizei in Bayern, wies seine Polizeidirektionen im Dezember 1933 an, bei weiterem Fernbleiben der Bibelforscher von politischen Wahlen wie der vom 12. November 1933, polizeilich vorzugehen.25
Das Fernbleiben der Zeugen Jehovas von der DAF, ihre Wahlverweigerung, die Weigerung, an den Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Arbeit teilzunehmen, war Anlass zur Entlassung vom Arbeitsplatz.
Zahlungen in Renten- und Pensionskassen wurden einbehalten, die Gewährung von Arbeitslosenunterstützung wurde verweigert.26 Ohne Rechtsgrundlage machte die Gestapo 1934 Razzien auf Buchläden, Kioske und Wohnungen und verhängte arbiträr Hausarrest gegen Verdächtige. Zügelloser SA-Terror auf Bibelforscher auf offener Straße, Misshandlungen standhafter Gläubiger und mutwillige Beschädigungen ihrer Häuser und Grundstücke erfolgten ebenso wie die Ruinierung selbstständiger Geschäfte der Zeugen Jehovas nach dem Muster der Judenboykotte.27

Sondergerichtsverfahren gegen Willibald Lenk

Als Zeuge Jehovas gerät er ins Visier der Polizei. Am 12. Februar 1936 führt Polizeihauptwachtmeister Andreas Braunmüller aufgrund „gepflogener Erhebungen“ – vermutlich infolge von Denunziation – eine Hausdurchsuchung in der Wohnung von Willibald Lenk in der Rosengasse 6 durch28 . Dort wird Schriftgut der Ernsten Bibelforscher in einem Versteck im Dachboden sichergestellt. Da die Vereinigung der „Ernsten Bibelforscher“ gemäß einer Bekanntmachung des Bayerischen Staatministeriums des Inneren vom 13.4.33 aufgelöst und verboten worden war und die Veröffentlichung eines Teils der Druckschriften nach dem Verbot lag, wird gegen Willibald Lenk seitens der Staatsanwaltschaft München I am 11.3.36 Anklage vor dem Sondergericht München wegen „Zuwiderhandlung gegen § 4 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat“ vom 28.2.1933 in Verbindung mit der Bekanntmachung des Staatsministeriums des Inneren vom 13.4.1933“ erhoben, auf deren Grundlage die Ernsten Bibelforscher 1933 verboten worden waren. Willibald Lenk ist zum Zeitpunkt der Anklage nicht vorbestraft.29

Freispruch

Die Verhandlung findet am 23.4.1936 vor dem Sondergericht München statt30 . Wegen Pflege seiner Frau Magdalena, die bereits seit mehreren Jahren krank und bettlägerig ist, wird Willibald vor seinem Prozess nicht in Schutzhaft genommen31 . Als einziger Zeuge der Anklage tritt der 35-jährige Polizeihauptwachmeister Andreas Braunmüller auf, der mit besonderem Eifer die Inhaftierung von Lenk forciert hat. Überraschend wird Lenk von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen „nach Wertung aller Beweismittel“ freigesprochen32 . Lenk könne nicht nachgewiesen werden, dass er als „Redner oder Werber für die Schriften der Vereinigung hervorgetreten ist.“ Es könne auch nicht aus der Tatsache, „dass der Angeklagte Druckschriften aufbewahrte, mit Sicherheit geschlossen werden, dass er sie auch verbreitet hat oder verbreiten wollte.“33
Der Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten und Haftbefehl beantragt34

Trotz Freispruch: Einlieferung Willibalds ins KZ Dachau

Trotz des Freispruchs wird Willibald Lenk von der Bayerischen Politischen Polizei noch vor dem 12. September 1936 „wegen illegaler Betätigung für die Ernsten Bibelforscher“ in Schutzhaft genommen35 . In den Augsburger Gefangenenbücher ist er allerdings nicht nachweisbar.36 Am 21. November 1936 wird Willibald Lenk jedenfalls ins KZ Dachau überstellt. Bis zu diesem Zeitpunkt lassen sich nur 10 Einweisungen von Zeugen Jehovas ins KZ Dachau belegen.37

Aus dem Zugangsbuch Dachau 1936

Willibald ist einer von ihnen.
Ein Schutzhaftbefehl der Gestapo dient hierfür als Grundlage. Sofern die Gerichtsurteile nicht den Erwartungen der Gestapo entsprachen, verhängte diese auch nach Freisprüchen „Schutzhaft“.

Schreibstubenkarte Dachau

SS und Justizministerium im Widerstreit

Seit 1935 versuchte die Polizei Heinrich Himmlers, die sich als unmittelbares Instrument des Führerwillens betrachtete, im eigenen Auftrag sämtliche normativen Schranken im Staat zu durchbrechen und sich die Freiheit willkürlicher Polizeiaktionen zu sichern38 . Da sie das Reichsjustizministerium mit den ihm nachgeordneten Gerichten als eine Instanz empfand, die im nationalsozialistischen Führerstaat gesetzliche Normen zu wahren suchte, sagte sie gerade diesem Ministerium auf allen Ebenen den Kampf an mit dem Ziel, die gesamte gesetzliche Ordnung zu suspendieren. Als das geeignetste Mittel dazu bewährte sich für die Gestapo die Korrektur des richterlichen Urteils durch eine willkürlich verordnete „Schutzhaft“ nach der Strafverbüßung.39

Brief von Lenk an seine Ehefrau Magdalena (= Leni) (1939)

In diesem Kontext lässt sich die Verbringung Willibald Lenks ins KZ erklären. Im August 1937 verfügte das neu eingerichtete Sonderreferat der Gestapo zur Bekämpfung der Zeugen Jehovas, dass diejenigen, die ihrem Glauben nicht abschworen, nach Strafverbüßung generell in Konzentrationslager zu überstellen seien.40

Im KZ Dachau

Willibald Lenk erhält die Häftlingsnummer 11072, nach seiner Rückkehr aus Mauthausen im Februar 1940 die Nummer 1313. Einziger Grund seiner Inhaftierung ist seine Mitgliedschaft bei den Zeugen Jehovas41 . Zunächst wird Willibald in Block 3 Stube 5 untergebracht. Die Bibelforscher wurden ab 1938 in sämtlichen KZs mit einem auf der Häftlingskleidung angebrachten lilafarbenen Dreieck gekennzeichnet.42

Rückführung von Mauthausen nach Dachau (1940)

„Begrüßungszeremonien“

Bibelforscher wurden bei ihrer Einlieferung bestimmten Begrüßungszeremonien unterworfen, die sich bald in jedem Konzentrationslager institutionalisierten, z.B. wurden sie im KL-Neuengamme mit Stahlpeitschen geschlagen, im KL-Sachsenhausen zwang man sie mehrere Stunden lang zu Kniebeugen mit am Hals gefalteten Händen. In anderen Lagern mussten sie abwechselnd heiße und kalte Wasserduschen in Anspielung an die Taufe über sich ergehen lassen43 . In allen KL wurden sie anfangs einer Strafkompanie zugeteilt. Die SS schickte sie mit Vorliebe in die Steinbrüche, so im KL Mauthausen, Buchenwald und Sachsenburg. Im KL-Flossenbürg dienten die Zeugen Jehovas im Krematorium, im KL-Esterwegen waren sie Kloakenreiniger. Im Allgemeinen mussten sie sieben Tage in der Woche statt der üblichen 6 in den KL arbeiten, in deutlicher Verhöhnung des zu heiligenden Sonntages.44
Falls sich die Zeugen Jehovas weigerten, das Deutschland- oder Horst-Wessel-Lied zu singen, wurden sie gequält, desgleichen, wenn sie die SS-Wachen nicht grüßten. Oft lehnten sie aus religiöser Überzeugung rüstungsfördernde Arbeiten ab und erlitten deswegen harte Strafen. Zu Kriegsbeginn wurden die männlichen Bibelforscher im KL Sachsenhausen aufgefordert, Wehrdienst zu leisten, auf jede Weigerung hin wurden zehn aus ihren Reihen von der SS erschossen.45

Pro Vierteljahr darf der Häftling nur einen Brief schreiben.

Fürsorgeerziehung des Sohnes

Willibalds gleichnamiger Sohn, der mit ihm und der Stiefmutter in der Rosengasse 6 gewohnt hat, wird durch Beschluss des Jugendgericht Augsburg im Alter von 15 Jahren am 21. Oktober 1937 „in Fürsorgeerziehung“ in Landau-Queichheim genommen.46 Diese Maßnahme ist als eine weitere Schikane der Nationalsozialisten gegen den Bibelforscher Willibald Lenk und seine Frau zu interpretieren. Seit 1936 strengten die Vormundschaftsgerichte Verfahren gegen die Eltern an mit dem Ziel, die Kinder von ihren Elternhäusern zu isolieren47 und sie im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen. Es gibt zahlreiche Beispiele, dass regionale Stapoleitstellen ihre Außenstellen anwiesen, auf die zuständigen Amtsgerichte einzuwirken, dass Bibelforschern, „die durch ihre illegale Betätigung und ihr Bekenntnis zur Lehre der Internationale Bibelforscher-Vereinigung (IBV) das geistige Wohl ihrer Kinder gefährden, das Personenfürsorgerecht gemäß § 1666 BGB entzogen“ werde48 . Offensichtlich wird diese Richtlinie auch auf Willibalds Sohn angewandt.
Willibald Lenks Fürsorgeerziehung wird erst wieder am 10. Februar 1941 beendet49 , also nach dem Tod beider Elternteile wieder aufgehoben. Willi Lenk hatte in Landau-Queichheim seit dem 1.11.38 eine Ausbildung als Schneiderlehrling begonnen, konnte diese aber wegen seiner von Geburt an verkrüppelten linken Hand nicht abschließen. Vom 1. Februar 1941 arbeitet er bis Dezember 1949 als Aufseher in der Gärtnerei in Queichheim. Wegen einer schweren Lungenerkrankung muss er seine Stellung dort am 17.12.1949 aufgeben.50

Willibald Lenk im „Bunker“

Am 21. Januar 1936 kommt Willibald in den Kommandantur-Arrest und wird von dort erst wieder am 24. Januar 1939 entlassen. Der Kommandantur-Arrest wurde im sog. Bunker des KZ Dachau vollstreckt, ein Ort der Erniedrigung, der Folter und sogar des Todes51 . Der „Bunker“, so von den Häftlingen nach dem düsteren Aussehen des 1934 eingerichteten zweiten Arrestgebäudes bezeichnet, hatte verschiedene Aufgaben: Häftlinge des Lagers verbüßten hier in den Zellen Lagerstrafen, auch die Prügelstrafe und das Pfahlhängen fanden zeitweilig hier im Bunkerhof statt. Exekutionen wurden im östlichen Teil des Bunkerhofs durchgeführt. Gestapogefangene waren hier oft monatelang eingekerkert, um von ihnen durch psychischen Terror und Folter Geständnisse zu erpressen. Wie viele Gefangene in den Zellen des Bunkers litten, ist nicht mehr feststellbar, auch nicht wie viele hier ermordet oder in den Tod getrieben wurden.52
Wir können über die Gründe seines Aufenthalts dort nur spekulieren. Sie könnten vielfältiger Natur sein. Hat er den Hitlergruß verweigert oder ein Nazi-Lied zu singen oder die SS-Wachen zu grüßen, wurde er von der SS zu sadistischen Arbeiten gezwungen? Wir wissen es nicht.

Überführung Willibald Lenks ins KZ Mauthausen und Rückführung

Am 27.09.1939 wurden 144 Dachauer Zeugen Jehovas von insgesamt 1600 Häftlingen aus dem KZ Dachau in das KZ Mauthausen verbracht, weil Teile des KZ Dachau zur militärischen Ausbildung der SS-Division Totenkopf benötigt wurden. Fast 5000 Häftlinge insgesamt wurden in die KZ-Mauthausen (1600 Personen), KZ-Flossenbürg (981 Personen) und KZ-Buchenwald (2200 Personen) verlegt, wo sich ihre Haftbedingungen dramatisch verschlechterten.53

Schikanierung der Zeugen Jehovas in Mauthausen

Die Zeugen Jehovas wurden in Mauthausen vorwiegend beim Lageraufbau und im Steinbruch eingesetzt. Ende Februar 1940 erschien in Mauthausen eine Musterungskommission. 35 Zeugen Jehovas verweigerten die Unterschrift im Wehrpass und wurden im Steinbruch systematisch zu Tode geschunden.
Zwischen Januar und April 1940 verstarben 53 Zeugen Jehovas und damit mehr als jeder Dritte der aus Dachau Überstellten54 .
Im besonders kalten Kriegswinter 1939/40 gehörte es zum Folterarsenal der SS, Häftlinge bis zum Eintritt des Todes mit einem Wasserschlauch auf die Herzgegend zu spritzen oder Durchnässte bei Frost im Freien stehen zu lassen, bis sie erfroren.55
Der Häftling Bernhard Müller berichtete über die Schikanen im KZ Mauthausen:

  • „Nach dem Appell formierten sich die Arbeitskommandos. Wir blieben noch stehen. Mit uns hatte die SS was Besonderes vor. Laden und mit Karacho [schnell, daher der Name dieser Straße] ging es dann wieder die Steinstufen hoch ins Lager. Dort den Stein abwerfen und im Laufschritt wieder zurück. So ging es den ganzen Vormittag, dazu das Gebrüll und die antreibenden Schläge der SS-Banditen. Manch einen älteren Kameraden sah ich bei dieser Hetze zusammenbrechen“. 56

Das Martyrium dieser Häftlinge in Dachau und Mauthausen wird im Buch von Erhard Klein, Jehovas Zeugen im KZ Dachau, u.a. anhand von Erlebnisberichten von Häftlingen eindrucksvoll geschildert57 . Das KZ Mauthausen galt damals als Mordlager mit der höchsten Sterblichkeitsrate („Lagerstufe III“).58

Rückkehr nach Dachau

Nur 25 der am 27.09.1939 überstellten Zeugen Jehovas kommen am 18. Februar 1940 wieder zurück nach Dachau, darunter Willibald Lenk.59 . Der Rücktransport von Mauthausen nach Dachau umfasste Hunderte von Häftlingen.60

Im Strafblock

Ab 1936 installierte die SS in Dachau die sogenannte Strafkompanie, in der Juden, Homosexuelle und Politische Gefangene, die als „Zweithäftlinge“ erneut in Dachau eingeliefert wurden, untergebracht waren. Alle neu eingelieferten Zeugen Jehovas kamen automatisch ebenfalls dorthin. Ab Oktober 1937 wurden sämtliche Häftlinge der Strafkompanie in der „Isolierung“ untergebracht, d.h. in den drei Baracken, die von den übrigen Häftlingsunterkünften durch Stacheldraht abgetrennt waren.61

  • „Es gab in der Strafkompanie in Dachau weder Sonn- noch Feiertage“, berichtet der Zeuge Jehovas Erich Kunz.62 „die Arbeitskommandos rückten ununterbrochen täglich aus. Als Beschäftigung kamen nur noch schwere Erd- und Betonarbeiten und Materialtransporte in Frage, wobei stets eine besonders scharfe Überwachung für das nötige Tempo sorgte und jede Ermüdungserscheinung mit zusätzlichen Strafen belegt wurde. Das Geringste war ‚Torstehen‘. Das bedeutete, dass der Betreffende nach dem Einrücken unter Bewachung am Lagereingang täglich bis zum Schlafengehen ohne Abendbrot je nachdem zwischen drei Tagen und drei Wochen stillstehen musste. Dabei ist zu bedenken, dass in Dachau während des Sommers um ½ 4 Uhr und im Winter um 5 Wecken war. … Den Höhepunkt der Lagerstrafen bildeten die ‚25‘, d.h. Stockhiebe, die dem auf einem Bock festgeschnallten Häftling mit Ochsenziemern von zwei SS-Schlägern auf das Gesäß verabreicht wurden, wobei Hautfetzen und Stoffreste der Hose am Schluss eine breiige Masse bildeten“.63

Willibald Lenk kommt am 11. Juni 194064 in den Strafblock. Weshalb, geht aus den Akten nicht hervor65 . Es ist evident, dass die SS-Schergen seinen Willen brechen wollen. Sein Bruder Max besucht ihn im KZ Dachau, erkennt Willibald kaum wieder. Abgemagert auf Haut und Knochen, gezeichnet von schwerster Arbeit und Demütigung ist er nur noch ein Schatten früherer Tage.

Sterbeurkunde von Willibald Lenk

Im Krankenrevier

Willibald Lenk wird am 28.07.1940 im Block 17/II wegen einer Knieschleimbeuteleiterung unter Narkose von einem Lagerarzt mit Namen Dr. Johannes Nommensen operiert66 . Das Operationsbuch gibt preis, dass mehrere Häftlinge wegen Abszess bzw. Schleimbeutelvereiterung operativ behandelt worden sind67 . 6 Wochen später ist Willibald Lenk tot. Ein Zusammenhang zwischen der OP und seinem Tod ist angesichts der Vita des Arztes und der Häufigkeit der behandelten Symptome durchaus denkbar. Er wird in der Totenliste des Quarantänelagers des KZ Dachau geführt.68 . Willibald Lenk ist einer 5 Toten, die am 8. September 1940 im KZ Dachau verstorben sind.69
Die Nazis haben Willibald Lenk gedemütigt, geschwächt, gefoltert, ausgebeutet und schließlich ermordet. Die Zeugen Jehovas waren die einzigen Insassen der Konzentrationslager, die sich durch eine Willenserklärung, den Revers, in der sie ihrem Glauben abschworen, hätten „freikaufen“ können und so die Konzentrationslager verlassen dürfen. Es zeugt von ungeheuerlicher Willensstärke, dass sich Willbald Lenk nicht gebeugt hat.
Der Sterbeurkunde Nr. 663 aus Dachau ist zu entnehmen, dass Willibald Lenk am 8. September 1940 im Krankenrevier (Block 5) an Herz- und Kreislaufschwäche verstorben ist.70
Es ist zutreffender festzustellen, dass die Nazischergen ihn im Strafblock 7 Tage pro Woche geschunden und gedemütigt haben, geschwächt durch Zwangsarbeit und völlig unzureichende Ernährung. Sein Mithäftling Gustav Bräuchle aus Ludwigshafen bestätigte im Juni 1945 auf einer Liste mit 88 Namen mit verstorbenen Zeugen Jehovas in den KZ den Tod Willibald Lenks durch Unterernährung.71

Telegramm an die Witwe: Todesmitteilung, Leichenschau, Feuerbestattung

Sein Bruder Karl fuhr noch am Todestag mit seinem Motorrad von Augsburg nach Dachau, um seinen Bruder ein letztes Mal zu sehen. Im Februar 1954 gab er zu Protokoll:

  • „Unterzeichnender bestätigt hiermit, dass mein Bruder Willibald Lenk in geordneten Verhältnissen lebte, 1936 wurde er wegen seiner Sekte hier in Augsburg verhaftet, dann wegen seines fanatischen Glaubens nach Dachau verbracht. 1940 bekam ich von meinem Bruder Otto Lenk ein Telegramm worin mitgeteilt wurde, dass mein Bruder Willibald in Dachau verstorben ist. Meine Mutter war damals schon 80 Jahre alt, und konnte die Reise nicht mehr gut machen. Daher fuhr ich selbst mit meinem Motorrad am gleichen Tag nach Dachau. Um ½ 12 Uhr dort angekommen musste ich bis 1 Uhr warten. Erst nach meiner Reklamation wurde ich zur Leiche meines Bruders geführt. Er lag in einer Halle auf Beton. Der Anblick war fürchterlich. Mein erster Gedanke war, dieser hier ist verhungert. Bis zum Hals herauf war er mit schwarzem Papier zugedeckt. Ich wollte das Papier aufdecken, was mir aber sofort verboten wurde. Ich wollte die Ursache seines Todes wissen, selbe (sic!) aber wurde mir nicht mitgeteilt72 .“
Bestätigung von Willibalds Bruder Karl 1954

Willys kranke Ehefrau Magdalena erhielt am gleichen Tag aus Dachau von Kommandanten und SS-Sturmbannführer Piorkowski ein Telegramm, in dem sie aufgefordert wurde, binnen 24 Stunden mitzuteilen, ob eine Leichenbesichtigung erwünscht sei. Die Leiche werde im Krematorium München feuerbestattet.73

Eine lange Liste von Todesopfern der Zeugen Jehovas u.a. in Dachau

Tod der Ehefrau Magdalena

Knapp 2 Jahre nach der Deportation ihres Mannes nach Dachau war die pflegebedürftige und bettlägerige Magdalena am 3. November 1938 ins Städtische Altersheim verbracht worden. Magdalena Lenk verstarb nur knapp 1 ½ Monate nach dem Tod ihres Mannes, am 31. Oktober 1940 in Augsburg im Alter von 41 Jahren74 . Ihr Sohn Willy Lenk war binnen kürzester Zeit zum Vollwaisen geworden.
Wir kennen Willibald Lenks Haltung zum NS-Regime, seine weltanschaulichen Positionen nicht. Wir wissen ebenso wenig, wie weit seine Loyalität zu den Zeugen Jehovas reichte.
Wir müssen davon ausgehen, dass die Nazis ihn wegen seiner grundsätzlichen Gegnerschaft zwischen Nazis und der Zeugen Jehovas inhaftiert haben. Willibald Lenk war eine integre Person, der sich selbst im Verhör durch die Nazis der Wahrheit verpflichtet sah, er hat seine Ehefrau liebevoll gepflegt und sich trotz Arbeitslosigkeit nichts zuschulden kommen lassen.
Unwiderlegbar ist, dass er im KZ für seine Haltung und sein Einstehen für seinen Glauben ermordet worden ist.75 Die sterblichen Überreste wurden in der Urne 2585 am 26.April 1963 auf dem Friedhof Perlacher Forst am KZ-Ehrenmal beigesetzt.76

Antrag auf Entschädigung durch Sohn Willy Lenk

Im Jahr 1947 stellt sein Sohn Willy Lenk nach eigenen Aussagen erstmals einen Antrag auf Entschädigung „für Schaden am Leben“ 77 für den seines Vaters im KZ.

"Schaden am Leben": Ablehnung einer Rente für Willy Lenk
Der Sohn Willy Lenk bekommt eine lächerlich geringe Entschädigung

Das Verfahren wird am 11. März 1954 vom Regierungsbezirksamt für Wiedergutmachung in Neustadt a.a.Aisch an das Bayerische Landesentschädigungsamt übertragen.78 Es folgt ein quälender und erniedrigender Schriftverkehr mit der Behörde. Willy Lenk befand sich zeitweise wegen Lungentuberkulose in der Lungenheilstätte Lautrach auf Behandlung.

NS-Scherge bestätigt Invalidität von Willy Lenk

Der dortige Chefarzt Dr. Georg Hensel bestätigte seine 100-ige Invalidität79 . Prof. Hensel war in der Zeit des Nationalsozialismus in der Klinik für Tbc-kranke Kinder in Oy/Mittelberg tätig. In Kaufbeuren war er für Versuche an behinderten Kindern mit Todesfolge verantwortlich. Eine Verurteilung erfolgte nicht.80

Der Aktenordner Willy Lenk beim Bayerischen Landesentschädigungsamt

Am 27. Mai 1955 kam ein Vergleich zwischen Willy Lenk und dem Landesentschädigungsamt zustande81 . Zermürbt durch die Winkelzüge der Bürokratie und geschwächt durch seine schwere Krankheit stimmte Willy Lenk dem Vergleich zu. Sein Antrag auf Rente wegen „Schaden an Leben“ wurde abgelehnt. Lediglich für die Zeit vom Tode seines Vaters bis zur Beendigung seiner Berufsausbildung am 31.10.1941 wurde ihm eine Kapitalentschädigung von 106 DM zugesprochen und weitere Ansprüche abgewiesen.82

Wir wollen an Willibald Lenk mit dieser Kurzbiografie und einem Stolperstein erinnern.

© Biografie erstellt von Dr. Bernhard Lehmann, Gegen Vergessen-Für Demokratie, RAG Augsburg-Schwaben

Fußnoten
  1. Nachdem ich im Juni 2025 mit der Recherche zu Willibald Lenk begonnen hatte, stellte sich heraus, dass sich der Großneffe von Willibald Lenk, Dr. Herbert Asam ebenfalls mit der Biografie seines Verwandten beschäftigt hatte. Ihm gebührt der Löwenanteil des Verdienstes, dass die Biografie in dieser Form erscheinen konnte. Sämtliche relevanten Informationen zur Person Willibald Lenk verdanke ich Dr. Herbert Asam.
  2. Hartwig Roger Ney, Die Schwammühle und ihre Genealogie 1590-1950; Mörnsheim/Bonn 1997, S. 11
  3. Auskunft Frau Dorr, StadtA Mörnsheim vom 30.6.25; StadtAA MK 2 Lenk Willibald, geb. 26.9.1897. Die Namen der namentlich bekannten Geschwister von Willibald lauten laut Einwohnerregister der Gemeinde Mörnsheim: Michael, geb. 14.4.1893; Max, geb. 30.6.1904; Sebastian, geb. 7.1.1896; Oskar, geb. 9.7.1907 und Maria, geb. 17.1.1903.
  4. Hartwig Roger Ney, Die Schwammühle und ihre Genealogie 1590-1950; Mörnsheim/Bonn 1997. Der Vater von Willibald Lenk war Müller und Kerschtenbauer, auf Seite 6 seiner Abhandlung nennt Ney die Kinder von Sebastian und Amalie Lenk geb. Ottinger. 1. Maria Lenk, geb. 5.9.1882, verst. nach 15 Wochen; 2. Michael Lenk, geb. 12.11.1883, verst. an Diphterie, 9 Jahre alt; 3. Crescentia Lenk, geb. 9.7.1885; 4. Johann Lenk, geb. 9.10.1886; 5. Anna Lenk, geb. 4.1.1888; 6. Otto Lenk, geb. 30.3.1889; 7. Ludwig Lenk, geb. 23.6.1890; 8. Amalie Lenk, geb. 23.10. 1891, verst. nach 12 Tagen; 9. Michael Lenk, geb. 14.4.1893; 10. Berta Lenk, geb. 17.8.1894; 11. Sebastian Lenk, geb. 7.1.1896; 12. Willibald Lenk, geb. 26.9. 1897; 13. Amalie Lenk, geb. 18.1. 1899, verst. mit 2 Jahren ; 14. Josef Lenk, geb. 17.4.1900; 15. Karl Lenk, geb. 15.8.1901; 16. Maria Lenk, geb. 17.1.1903, verst. nach 3 Wochen; 17. Amalie Lenk, geb. 17.1.1903; 18. Max Lenk, geb. 30.6.1904; 19. Oskar Lenk, geb. 9.6.1907; 20. Adelbert Lenk, geb. 16.6.1909, verst. nach 16 Wochen.
  5. Vgl. StAM, 16 Js-So 454/36. auf der Schreibstubenkarte des KZ Dachau wird sein Beruf als Hilfsarbeiter angegeben.
  6. StAM, 16 Js-So 454/36
  7. BayHStA, LEA 22903 Lenk, Willibald. Antrag seines Sohnes Willi Lenk vom 11.3.1954
  8. Geburtsurkunde von Anna Tom: StadtAA, Standesamt Pfersee, Nr. A 181_1903. Anna Lenk ist am 21.6.1903 geboren.
  9. StadtAA MK 2 Lenk Willibald, geb. 26.9.1897: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10694502
  10. StadtAA MK 2 Lenk Willibald, geb. 26.9.1897 und MB Lenk Anna, 1903. Anna Lenk geb. Tom heiratet am 20.9.1930 Karl Müller aus Batzenhofen.
  11. StadtAA, MB Lenk Anna 1903
  12. Ebenda. Magdalena Holzhäuser, geb am 20.10.1899 in Augsburg, verstorben am 31.10.1940
  13. StAM, 16 Js-So 454/36
  14. Julia Hörath, Asoziale und Berufsverbrecher in den Konzentrationslagern 1933-1938; Göttingen 2017, bes. S. 106-117.
  15. Auskunft Dr. Herbert Asam im Juli 2025
  16. Nach offiziellen Angaben der Zeugen Jehovas wurden 400 Zeugen Jehovas hingerichtet, über 1000 kamen in den KZ durch Folter, Mangelernährung und fehlende ärztliche Versorgung ums Leben: https://www.jw.org/de/jehovas-zeugen/haeufig-gestellte-fragen/jz-nationalsozialismus-fakten-konzentrationslager/#link0
  17. Die NS-Verfolgung der Zeugen Jehovas in Köln (1933–1945), abgerufen am 18.7.25.; (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive) (PDF) S. 34.
  18. Ebenda, S. 191
  19. Ebenda, S. 183
  20. Michael H. Kater: Die Ernsten Bibelforscher im Dritten Reich. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 17, 1969, S. 185
  21. „Die Internationale Bibelforscher-Vereinigung“, o.J. (Dez 1936), NA, T-175, R 411, FN 2936279-237
  22. So Michael H. Kater, a.a.O., S. 187
  23. „Sonderbericht der SS, Februar/März 1935, NA, T-175, R 409; PN 2932645-670
  24. Zitiert nach Michael H. Kater, a.a.O., S. 189. Allerdings betrachtete Heinrich Himmler die Bibelforscher als rassisch wertvoll und plante, sie nach dem Krieg als germanische Wehrbauern einzusetzen. Kater, a.a.O., S. 190f
  25. Zitiert bei Michael H. Kater, a.a.O., S. 202
  26. Vgl. Michael H. Kater, a.a.O., S. 196
  27. Ebenda, S. 194
  28. StAM, 16 Js-So 454/36
  29. StAM, 16 Js-So 454/36
  30. StAM, 16 Js-So 454/36
  31. StAM, 16 Js-So 454/36
  32. Ebenda
  33. StAM, 16 Js-So 454/36
  34. StAM, 16 Js-So 454/36. Als Verteidiger stand ihm der Rechtsanwalt Fritz Wolpert zur Seite.
  35. Arolsen Archives, Copy of 1.2.2.1., ID 11395884 Akten der Bayerischen Politischen Polizei München. Der Rapport ist vom 12.9.36, in einem weiteren Rapport der Bayerischen Politischen Polizei vom 17.9.36 wird Willibald Lenk nochmals erwähnt: Arolsen Archives, Copy of 1.2.2.1., ID 11395963. Zeitgleich mit ihm wurde ein weiterer Bibelforscher, Wilhelm Lippl, Schneidermeister, geb. am 6.12.74 in Austenried von der Polizei des BA Günzburg verhaftet.
  36. Schreiben des Staatsarchivs Augsburg vom 12.12.25 an den Verfasser
  37. Zit. nach Detlev Garbe, „Barbarei im Lande der Christenheit" - Der Bekennermut der Zeugen Jehovas, in: Nerdinger Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1939-1945, Berlin 2018, S. 15. In den folgenden 3 Jahren waren im KZ Dachau weitere 165 Zugänge verzeichnet, ihre Zahl lag deutlich unter denen in Buchenwald und Sachsenhausen. Vgl. auch Barbara Distel, Die Zeugen Jehovas im KZ Dachau; in: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945; Berlin 2018, S. 42. Zwischen 1937 und 1939 wurden insgesamt 165 Zeugen Jehovas im KZ Dachau registriert.
  38. Vgl. Hans Buchheim, SS und Polizei, in Hans Buchheim, Martin Broszat, Hans-Adolf Jacobsen, Helmut Krausnick, Anatomie des SS-Staates, Olten u. Freiburg/Br. 1965, Band 1, S. 135-190.
  39. So Michael H. Kater, a.a.O., S. 205
  40. Garbe, Detlev: „Barbarei in einem Lande der ‚Christenheit‘“ -Der Bekennermut der Zeugen Jehovas, in: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945; Berlin 2018, S. 8-19, hier S. 13
  41. ITS Bad Arolsen, ID 10694502: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10694502
  42. https://www.mdr.de/geschichte/ns-zeit/zweiter-weltkrieg/zeugen-jehovas-nationalsozialismus-drittes-reich-konzentrationslager-verfolgung-100.html, abgerufen am 21.7.25. Zuvor trugen sie ein blaues Stoffzeichen an der Kleidung. Vgl. Barbara Distel, a.a.O., S. 42
  43. Michael H. Kater, a.a.O., S. 209
  44. The Golden Age, 2.6.37; S. 568
  45. Kogon, a.a.O., S. 241f; Höß, a.a.O., S. 75f
  46. StadtAA, MB Lenk Willibald, 1922. Das Jugendgericht Augsburg ordnete am 21.10.1937 die Fürsorgeerziehung an. Nach dem Tod der Eltern und Rückkehr aus Landau-Queichheim verehelicht sich Willy Lenk jr. am 29.9.1943 in Hatzenbühl. Er ist 21 Jahre alt.
  47. Michael H. Kater, a.a.O., S. 200f
  48. Ebenda. a.a.O., S. 201 mit Anmerkung 114
  49. StadtAA, MK 2 Lenk, Willibald 1922
  50. BayHStA, LEA 22903 Lenk, Willibald. Bescheinigung des Landeserziehungsheim Landau-Queichheim vom 11.6.1954
  51. Zum sog. Bunker vgl. https://www.gedenkstaettenforum.de/uploads/media/GedRund95_16-19.pdf Abruf 23.10.25
  52. Ebenda
  53. https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/historischer-ort/kz-dachau-1933-1945/ , abgerufen am 27.7.25, vgl. https://archiv.hdbg.de/dachau/pdfs/07/07_03/07_03_01.pdf Abruf 23.10.25
  54. Detlev Garbe, Erst verhasst, dann geschätzt-Zeugen Jehovas im KZ Dachau, in: Benz, Wolfgang / Königseder, Angelika (Hrsg.): Das Konzentrationslager Dachau. Geschichte und Wirkung nationalsozialistischer Repression. Festschrift für Barbara Distel, Berlin 2008, S. 219-236. Ebenso Barbara Distel, a.a.O., S. 44
  55. Detlev Garbe, ‚Barbarei in einem Lande der Christenheit-Der Bekennermut der Zeugen Jehovas, in: Winfried Nerdinger / Christoph Wilker (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945, Berlin 2018, S. 15
  56. Häftlingsbericht von Bernhard Müller über die Todestreppe im KZ Mauthausen, in: https://archiv.hdbg.de/dachau/pdfs/07/07_03/07_03_01.pdf Abruf 23.10.25
  57. Klein, Erhard: Jehovas Zeugen im KZ Dachau, 2. Auflage 2017
  58. https://www.mauthausen-memorial.org/de/Wissen/Das-Konzentrationslager-Mauthausen-1938-1945m abgerufen 7.8.2025
  59. Vgl. Barbara Distel, a.a.O., S. 44
  60. Arolsen Archives, Copy of 1.1.6.1., ID 9907733. Willibald Lenk wurde unter der Nr. 224 geführt.
  61. Barbara Distel, a.a.O., S. 42
  62. Erich Kunz, Bericht, DaA, Nr. 34026, zitiert bei Barbara Distel, a.a.O., S. 42
  63. Ebenda.
  64. Nach der Rückkehr der 25 Zeugen Jehovas aus Mauthausen werden 12 von ihnen zum Außenlager SS Berghaus und Hotel „Alpenrose“ am Sudelfeld bei Bayrischzell geschickt. Sie verrichteten dort eine Straße und hatten Tiere auf der Alm zu versorgen. Das Hotel diente ab 1940 als SS-Lazarett und Erholungseinrichtung für die SS. Ob Willibald ebenfalls in Bayrischzell war, wissen wir nicht. Vgl. Barbara Distel, Die Zeugen Jehovas im KZ Dachau, in: Nerdinger Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1939-1945, Berlin 2018, S. 40-49, hier S. 45
  65. ITS Bad Arolsen, ID 10694502
  66. Arolsen Archives, Copy of 1.1.6.1.ID 9919643 „Operationsbuch“ des KZ Dachau. Recherchen Dr. Herbert Asam: Dr. Johannes Nommensen, geb. 26.12.1919 in Sigipur/Sumatra. Eintritt in die SS 1933, 1937 in die NSDAP, ab Juli 1940 Lagerarzt in Dachau, ab Herbst 1941 im KZ-Neuengamme. Später im KZ-Ravensbrück und im KZ Sachsenhausen. Nach 1945 9 Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. In Neuengamme soll Nommensen Mitarbeiter angewiesen haben, sowjetische Häftlinge durch Injektion mit Phenol zu töten. Nach seiner Entlassung aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft 1954 übte Nommensen weiterhin seinen Beruf als Arzt in Kiel und Havetoft/Kreis Schleswig aus. Er verstarb am 2.3.1967 in Kiel, vgl. https://www.lernwerkstatt-neuengamme.de/medien/pdf/ss2_1_6_bio_1961.pdf, abgerufen am 21.7.25
  67. Arolsen Archives, Copy of 1.1.6.1., ID 9919644
  68. Arolsen Archives, Copy of 1.1.6.1., ID 9943843
  69. Arolsen Archives, Copy of 1.1.6.1., ID 9931171 Namensverzeichnisse über verstorbene Häftlinge des KZ Dachau
  70. Arolsen Archives, ID 10174407 Sterbeurkunde Lenk Willibald
  71. Archiv der Zeugen Jehovas in Selters, Dok19450600-06: Gustav Bräuchle: Liste der Zeugen Jehovas, die in den KZ Dachau, Mauthausen und Gusen ihre Treue mit dem Tode besiegelten. Willibald Lenk ist dort als Nr. 47 aufgeführt.
  72. BayHStA, LEA 22903 Lenk, Willibald. Bestätigung Karl Lenk vom 4.2.1954.
  73. BayHStA, LEA 22903 Lenk, Willibald. Telegramm vom 8.9.40 an Magdalena Lenk, Rosengasse G 71 um 19.00 Uhr.
  74. StadtAA, MK 2 Lenk Willibald. Magdalena Lenk, geb. Holzhäuser verstarb am 31.10.1940.
  75. Sein Sohn Willibald Lenk, geb. am 10.2.1922, stellte 1947 erstmals den Antrag auf Wiedergutmachung politischer Schäden sowie auf Erstellung einer Haftbescheinigung beim Regierungsbezirksamt Neustadt a.d. Waldnaab. Beim Bayerischen Landesentschädigungsamt wurde der Antrag erstmals am 19.1.1954 aktenkundig.
  76. AA, Copy of 0.1, ID 64924529 Tot-Stammkarte
  77. BayHStArch LEA 22903 Lenk Willibald Dok. Nr. 48: Willi Lenk an das Bayerische Landesentschädigungsamt 9.1.1955 und Dok. 56: Zeitungsartikel Willi Lenk o.D.
  78. Arolsen Archives, Copy of 6.3.3.2./ID 93808378. Bayerisches Landesentschädigungsamt 4.2.1954 an International Trading Service, Arolsen.
  79. BayHStArch LEA 22903 Lenk Willibald Dok. Nr. 15. Heilstätte Lautrach, Chefarzt Dr. Georg Hensel, Bescheinigung vom 28.4.1954
  80. https://www.bezirkskliniken-schwaben.de/fileadmin/Daten/PDFs/%C3%9Cber_uns/Historie_Euthanasie_Kaufbeuren/NS_Euthanasie_Kaufbeuren_Irsee_2020.pdf
  81. BayHStArch LEA 22903 Lenk Willibald Dok. Nr. 65: Abschrift vom 27.5.1955
  82. BayHStArch LEA 22903 Lenk Willibald Dok. Nr. 25: Entwurf eines Bescheides für Schaden am Leben sowie ebenda, Dok. Nr. 47 Schreiben Ponschabs an Willy Lenk vom 15.11.1954.
Quellen- und Literaturverzeichnis
Unveröffentlichte Quellen:

StAM, 16 Js-So 454/36
Arolsen Archives, Lenk Willibald, ID 10694502, 10174406, 10174407, 10174408; 128688025; 130430020;
BayHStA, LEA 22903 Lenk, Willibald
StadtAA, MB 2 Lenk Willibald, 1887
StadtAA, MB, Lenk Anna, 1903
StadtAA, Standesamt Pfersee, Nr. A 181_1903
StadtAA, MK 2, Lenk Willibald, 1922
Einwohnerregister Mühlheim/Mörnsheim, Kreis Eichstätt
Interview mit Herrn Erich Lenk, geb. 21.11.1929, Sohn von Michael Lenk aus Mörnsheim am 1.7.25

Internet:
Literatur:

Besier, Gerhard / Vollnhals, Clemens: Repression und Selbstbehauptung. Die Zeugen Jehovas unter der NS- und der SED-Diktatur, In: Zeitgeschichtliche Forschungen (ZGF), Bd. 21, 2003
Distel, Barbara: Die Zeugen Jehovas im KZ Dachau; in: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945; Berlin 2018, S. 40-49
Garbe, Detlev: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im Dritten Reich, in: Studien zur Zeitgeschichte, Band 42, 1999; Dissertation Hamburg 1989
Garbe, Detlev: „Barbarei in einem Lande der ‚Christenheit‘ – Der Bekennermut der Zeugen Jehovas, in: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945; Berlin 2018, S. 8-19.
Michael H. Kater: Die Ernsten Bibelforscher im Dritten Reich. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 17, 1969, S. 181-218
Klein, Erhard: Jehovas Zeugen im KZ Dachau, 2017
Pelanda, Hans Simon / Breedlove, Sandra: Widerstand gegen das NS–Regime aus religiöser Überzeugung. Jehovas Zeugen in Regensburg 1933–1945. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für die Oberpfalz und Regensburg. Band 158, 2018, S. 213-331.
Nerdinger, Winfried / Wilker, Christoph: Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933–1945; Berlin 2018
Wilker, Christoph: Die unbekannten Judenhelfer: wie Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus jüdischen Mitmenschen beistanden; München 2022
Wilker, Christoph: Der religiös motivierte Widerstand der Zeugen Jehovas gegen das NS-Regime, in: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945; Berlin 2018, S. 32-39