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Johann Mayer

Geboren:
08.10.1919, Gersthofen
Gestorben:
05.06.1941, Hartheim bei Linz

Wohnorte

Gersthofen, Heimstättenweg 3

Letzter freiwilliger Wohnort

Orte der Verfolgung

Augsburg (Sterilisation)

München, Strafanstalt Stadelheim

Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren

Tötungsanstalt Hartheim bei Linz
"Aktion T4"

Biografie
Johann Mayer.

Johann Mayer, geb. 8.10.1919 in Gersthofen,
ermordet 4.6.1941 Hartheim/Linz, Opfer der Aktion T4

Die erzählte Geschichte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, im Gegenteil. Die Geschichte ist infolge von Kriegsverlusten in den Archiven und in Ermangelung mündlicher Quellen lückenhaft. Kenntnisse über das Opfer haben wir ausschließlich aus der Perspektive der nationalsozialistischen Machthaber, also derjenigen, die Johann Mayer und seiner Familie die Lebensperspektive von Anfang an erschweren, seine Lebensberechtigung infrage stellen, schwere Eingriffe in den persönlichsten Bereich vornehmen, schließlich die physische Existenz von Johann Mayer vernichten.1 Wir haben keine Kenntnisse über seine Ziele, Vorlieben und Sehnsüchte, seine Empfindungen und Ängste.
Ziel der Kurzvita ist es, die Erinnerung an ein Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten.

Elternhaus

Johann ist das uneheliche Kind des Bademeisters Franz Klenner, geb. am 23.4.1896 in Obergessertshausen, und Maria Mayer, geb. am 14.7.1895 in Augsburg.
Maria Mayer heiratet am 11.02.1923 in Gersthofen Jakob Schaller, geb. am 14.07.1883 in Gersthofen. Beide wohnen, gemeinsam mit dem Sohn der Maria, in der Langemarckstraße 4 in Gersthofen. Johann besucht vor Ort die Volksschule. Er ist kein guter Schüler, seine Zeugnisse weisen auf eine gewisse Lernschwäche hin, Sport ist sein bestes Fach. Heute würde man vielleicht sagen, dass er verhaltensauffällig und konzentrationsschwach ist. Zwei Klassen muss er wiederholen.

Johann Mayer als Hitlerjunge.

Arbeit in der Ziegelei und im Sägewerk

Mit 14 Jahren beginnt er eine Arbeit in der Ziegelei in Gersthofen, danach ist er 4 Jahre lang in einem Sägewerk in Gersthofen als Hilfsarbeiter tätig. Ein Photo vom 19. August 1933, welches uns die Familie zur Verfügung gestellt hat, zeigt ihn beim Gebietstreffen der Hitlerjugend in München.2 Als sein Pflegevater Jakob Schaller im Mai 1937 verstirbt, scheint ihm die strenge fürsorgliche Hand abhandengekommen zu sein.

Wegen unsittlicher Handlungen unter Observation

Er ist gerade mal 19 Jahre, als er unsittlicher Handlungen bezichtigt wird. Ein Verfahren gegen ihn wird aber nicht eingeleitet, weil er für das ihm zur Last gelegte Delikt nicht belangt werden könne.3 Aber der Bürgermeister der Gemeinde Gersthofen, Hans Geißer, meldet den Vorfall am 19. Januar 1938 unverzüglich dem Staatlichen Gesundheitsamt Augsburg Land in der Frölichstraße.4
Der nebenbezeichnete Johann Mayer, genannt Schaller ist ein ... belasteter Bursche. Da er, wie beobachtet wurde, sittlich nicht ganz einwandfrei ist, halte ich es für geboten, denselben einer amtsärztlichen Untersuchung zuzuführen, mit dem Ziele, die Frage einer etwaigen Entmannung zu prüfen. Gez. Geißer, Bürgermeister“
Das „sittlich nicht ganz einwandfreie“ Verhalten wurde durch keinen konkreten Sachverhalt belegt, aber das Gesundheitsamt leitet infolge der Meldung sofort ein Verfahren gegen Johann Mayer, genannt Schaller ein.5

Vorladung zur amtsärztlichen Untersuchung

Bereits am 2.4.1938 ordnet das Gesundheitsamt Augsburg-Land eine amtsärztliche Untersuchung von Johann an und fordert seinen Vormund Johannes Vasold, den Schwager der Mutter, auf, „dafür Sorge zu tragen, dass der ledige Hilfsarbeiter Johann Mayer, geb. am 8.Oktober 19 zu Gersthofen, dessen Vormund sie sind, zum Zwecke einer amtsärztlichen Untersuchung im Staatlichen Gesundheitsamt Augsburg-Land, Frölichstraße 10 ½ kommt, u.z. am Freitag den 8.4.1938 nachmittags um 3 Uhr.“

Vernichtendes Gutachten soll angeborenen Schwachsinn belegen

Die Hilfsärztin beim Gesundheitsamt Augsburg-Land, Dr. Meßner, kommt in ihrem Gutachten zur folgenden Diagnose:
Angeborener Schwachsinn. Sittlichkeitsvergehen, wegen § 51/I Verfahren eingestellt. Schwere Urteilsstörung. ... Beruflich so wenig fähig, dass er nur zu ganz einfachen Tätigkeiten gebraucht werden kann. ... Hohe Gefahr der Fortpflanzung.“ Dr. Meßner, Hilfsärztin.6
Man muss das Gutachten als Gefälligkeitsgutachten zugunsten der NSDAP bezeichnen. Bereits eine Woche später stellt der Bezirksarzt beim Gesundheitsgericht Augsburg-Land beim Erbgesundheitsgericht Augsburg den Antrag, Johann Mayer unfruchtbar zu machen. Zur Glaubhaftmachung bezieht sich Dr. Valentin Schmid, der Bezirksarzt im Gesundheitsamt Augsburg-Land auf das amtsärztliche Gutachten und auf die Akten der Staatsanwaltschaft Augsburg.7
Der Vormund von Johann Mayer, sein Onkel Johann Vasold, stimmt dem Antrag zur Unfruchtbarmachung des Johann wie folgt zu: „Bezugnehmend auf ihr Schreiben vom 22.4. 38 habe ich keine Einwendungen zu machen. Anfallende Kosten können aber nicht bestritten werden. Heil Hitler! Der Vormund Hans Vasold.“

Erbgesundheitsgericht ordnet Zwangssterilisation an

Nun nehmen die Dinge ihren Lauf. Das Erbgesundheitsgericht am Amtsgericht fasst in einer nichtöffentlichen Sitzung am 24. Mai 1938 nach Beratung eines Dreiergremiums (Amtsgerichtsrat Hartmann als Vorsitzender, Bezirksrat Dr. Gloel als beamteter Arzt und Nervenarzt Dr. Willburger als weiterer Arzt) einstimmig den folgenden Beschluss:

  • Mayer Johann, geb. 8. Oktober 1919 zu Gersthofen, lediger Hilfsarbeiter in Gersthofen, Heimstättenweg 3b/bei Vasold, im Verfahren gesetzlich vertreten durch Vormund Johann Vasold, Eisendreher in Gersthofen, Heimstättenweg 3, ist unfruchtbar zu machen
  • Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens trägt die Reichskasse.

Urteilsbegründung

Begründet wird die Entscheidung wie folgt:
„Johann Mayer hat als Kind sehr spät sprechen gelernt. In der Schule waren seine Leistungen mangelhaft, ... Auch in der Fortbildungsschule haben seine Leistungen den Anforderungen nicht entsprochen. Nach der Schulentlassung hat er zuerst in einer Ziegelei gearbeitet. Seit 4 Jahren ist er Hilfsarbeiter in einem Sägewerk in Gersthofen. Ein Strafverfahren ... wurde im Jahr 1938 eingestellt, da Mayer nach dem Gutachten des Landgerichtsarztes von Augsburg strafrechtlich nicht verantwortlich gemacht werden kann. (Akten der Staatsanwaltschaft Augsburg 7 Js 46/38). Erbkrankheiten in seiner Familie konnten nicht festgestellt werden. ... Bei der ärztlichen Intelligenzprüfung hat er zum großen Teil versagt. Er kann nicht lesen und nur sehr mangelhaft schreiben und rechnen. Sein Gedankenablauf ist verlangsamt, seine Urteilsfähigkeit stark eingeschränkt.8
Die gleichen Feststellungen machte das Gericht bei der kurzen Intelligenzprüfung ... Auf Grund des gerichtsärztlichen Gutachtens im Strafverfahren ..., des Ergebnisses der Intelligenzprüfung und des persönlichen Eindrucks, den das Gericht im Termin vom 24.5.38 von Mayer gewann, ist das Gericht davon überzeugt, dass M. an Schwachsinn leidet. ... Nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass eventuelle Nachkommen Mayers an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden.
Um erbkranken Nachwuchs zu verhüten, war deshalb gemäß § 1 Abs. II Ziff. 1 EGG anzuordnen, dass Mayer unfruchtbar zu machen ist. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens hat die Reichskasse zu tragen, § 13 EGG.“
Gez. Dr. Gloel, beamt. Arzt; gez. Hartmann, Vorsitzender gez. Willburger, weiterer Arzt.
Augsburg, den 15.6.38 beglaubigte Abschrift ans Staatliche Gesundheitsamt Augsburg-Land, 17.6.38, St. 218.

Einweisung ins Städtische Krankenhaus zur Zwangssterilisation

Nachdem der Vormund von Johann Mayer; Johannes Vasold, am 24.6. schriftlich auf eine Einlegung der Beschwerde gegen den Beschluss des Erbgesundheitsgerichts beim Amtsgericht Augsburg vom 24.5. verzichtet, wird Johann Mayer am 6.6.1938 ins Städtische Krankenhaus eingewiesen.9
Der ärztliche Bericht lautet lapidar:
„J.M. geb. 8.10.1919, Geb. ort Gersthofen, wohnhaft Gersthofen, Heimstättenweg 3 bei Vasold ist aufgrund der Entscheidung des Erbgerichts in Augsburg vom 15.6.38, AZ XIII 67/68 am 6. Juli 1938 von mir unfruchtbar gemacht worden. Art der Unfruchtbarmachung: Bei dem Eingriff wurden die Samenleiter in ca. 5 cm Länge beidseitig reseziert. (Inguinale Methode). Der Eingriff verlief regelgerecht. Die Wunde heilte in 6 Tagen. Der Operierte wurde am 15.7. 1938 als geheilt entlassen.
Gez. Dr. Haacke, 17.7.193810
Der ganze Zynismus der infolge des „Gesetzes zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses“ vollzogenen Zwangssterilisierung wird in der Formulierung Dr. Haackes sichtbar, der konstatierte, der Patient sei „geheilt entlassen“ worden.11

Sicherungsverwahrung in München -Stadelheim ohne Gerichtsbeschluss

Wir wissen, dass Johann unmittelbar nach seiner Zwangssterilisierung in die psychiatrische Abteilung des Strafgefängnisses München-Stadelheim eingeliefert wird. Dort ist er noch im Januar 1939 eingesperrt, und zwar ohne Gerichtsurteil.12

„Verlegung“ in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren

Am 12. Januar 1939 fordert die Staatsanwaltschaft Augsburg-Land die Akten über seine Zwangssterilisierung mit dem Stempel: Haft! Eilt sehr! vom Gesundheitsamt Augsburg-Land an. Wir müssen davon ausgehen, dass die Staatsanwaltschaft damit seine Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren angeordnet hat. Leider sind die Akten der Staatsanwaltschaft am Landgericht Augsburg durch Kriegseinwirkung fast vollständig verloren gegangen, sodass auch die Vorverfahrensakte der Staatsanwaltschaft 7 Js46/1938, Johann Mayer betreffend nicht mehr vorliegt.13
Fest steht jedenfalls, dass Johann am 14. März 1939 „zum Zweck der Sicherheitsverwahrung“ von München Stadelheim aus in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eingeliefert wird.14
Über seinen Aufenthalt in Kaufbeuren wissen wir bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Die Krankenakte Johann Mayers ist weder im Archiv der HPA Kaufbeuren und Irsee noch an seinem letzten Aufenthaltsort in Hartheim oder im Bundesarchiv in Berlin auffindbar.15

Ermordung in der Tötungsanstalt Hartheim/Linz

Eines aber wissen wir mit Gewissheit. Im Rahmen der Aktion T416 werden am 4. Juni 1941 70 Männer17 , am 5.6.1941 71 Frauen, am 8. August nochmals 133 Frauen von Kaufbeuren nach Hartheim bei Linz verbracht. Zuvor waren von August 1940 bis Dezember 1940 die Todestransporte mit den grauen Bussen nach Grafeneck erfolgt. Laut Zu- und Abgangsbüchern wurden insgesamt 688 PatientInnen aus Irsee durch die T4 Aktion ermordet.
Johann befand sich unter den 70 Männern, die am 4. Juni nach Hartheim „verlegt“ werden, wie das Dokumentationszentrum Hartheim auf meine Anfrage bestätigte. Ob der Transport nach Hartheim über die Zwischenanstalt Niedernhart bei Linz (heute Neuromed Campus) geführt wurde, können wir nicht mit Bestimmtheit feststellen.18 Niedernhart und Hartheim standen unter der Leitung von Dr. Rudolf Lonauer.
Aller Wahrscheinlichkeit wird Johann Mayer gemeinsam mit den 69 weiteren Patienten aus Kaufbeuren noch am gleichen Tag in der Tötungsanstalt Hartheim durch Gas ermordet. Zum Zeitpunkt seiner Ermordung ist Johann noch keine 22 Jahre alt.19

Vertuschung des Mordes

Auf Anfrage der Mutter und des Onkels erteilt die Staatsanwaltschaft am Landgericht Augsburg den beiden am 11. Juni die folgende Auskunft:
Im Rahmen planwirtschaftlicher Maßnahmen wurde der in hiesiger Anstalt sicherungsverwahrt gewesene Johann Mayer aus Gersthofen, für den von dort Zahlungen geleistet wurden, aus der hiesigen Anstalt in eine andere Anstalt verlegt. Weitere Zahlungen über den Tag der Verlegung hinaus sind solange einzustellen, bis sie von der Aufnahmeanstalt aufgefordert werden.20
Wenig später muss ihnen der Tod von Johann mitgeteilt worden sein, denn sie erfragen am 12.Juli 1941 bei der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, ob ihnen seine Hinterlassenschaft zugesandt werde oder diese selbst abzuholen sei.21
Der Mutter wird die Asche ihres Sohnes zugestellt. Die sterblichen Überreste von Johann Schaller wurden auf dem katholischen Friedhof in Gersthofen beigesetzt.22

© Biografie erstellt von: Dr. Bernhard Lehmann, 86368 Gersthofen, Haydnstraße 53 Gegen Vergessen - Für Demokratie, RAG Augsburg-Schwaben, e-mail: bernhard.lehmann@gmx.de

Fußnoten
  1. Je nach Aktenlage und Akteneinsicht, z.B. durch neue Funde, ist diese unvollständige Biographie einer ständigen Revision unterworfen.
  2. Photo von Johann Mayer. Auf der Rückseite des Photos ist handschriftlich vermerkt: Zur Erinnerung an das Gebietstreffen der Hitlerjugend in München, 19./20. August 1933. Hans Schaller.
  3. GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2  (Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938; ebenda, Beschluss des Erbgesundheitsgerichts vom 24. Mai 1938 in seiner Begründung. Die Akten der Staatanwaltschaft 7 Js46/38 sind infolge von Kriegsschäden im Staatsarchiv Augsburg nicht mehr verfügbar, Auskunft von Günter Steiner, Staatsarchiv Augsburg vom 26.8.2016; Da die Akte der Staatsanwaltschaft nicht vorliegt, können wir hinsichtlich seiner „unsittlichen Handlungen" lediglich auf die Angaben im amtsärztlichen Gutachten der Hilfsärztin Dr. Meßner zurückgreifen. Dort heißt es: „Hat an kleinen Mädchen unsittliche Handlungen vorgenommen.“ Sowie später im Gutachten: „Wegen sittlich nicht einwandfreien Handlungen gerichtlich belangt.“ Ebenda, Anlage 5, RGBl, 1933, S. 1026.
  4. GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2  (Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938; Der Bürgermeister der Gemeinde Gersthofen an das Staatliche Gesundheitsamt Augsburg-Land, Frölichstraße 10/2 vom 19.1.1938. Am 14. Juli 1933 wurde das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" verabschiedet, das ab 1.1.1934 in Kraft trat. Ohne Einwilligung der Betroffenen sollten "Wahnsinnige", Schizophrene, Manisch-Depressive, Epileptiker, Personen bei denen Blindheit, Taubheit, Kleinwüchsigkeit, spastische Lähmungen, Muskeldystrophie, Missbildungen an Fingern, Füßen und Hüften als erblich diagnostiziert worden sind, und Personen, denen schwerer Alkoholismus angelastet wird, von Ärzten und anderen Angehörigen medizinischer Berufe gemeldet und nach Entscheidung eines Erbgesundheitsgerichts sterilisiert werden: http://www.documentarchiv.de/ns/erbk-nws.html Gesetz vom 14.7.1933, RGbl.I, S. 529. Bereits im August 1938 erfolgte ein Erlass zur Erfassung behinderter Kinder und Ermordungen in den sogenannten „Kinderfachabteilungen“. Anfangs war die „Kindereuthanasie bis zum 3. Lebensjahr beschränkt, später wurde die Altersgrenze auf 18.Jahre hochgesetzt. https://www.dgppn.de/dgppn/geschichte/nationalsozialismus/kinderfachabteilungen.html; http://www.wider-des-vergessens.org/index.php?option=com_content&view=article&id=226%3Aeuthanasie-definition-im-wandel-der-zeit&catid=17%3Aeuthanasie&limitstart=3 Ab 9. Oktober 1939 waren sämtliche Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Menschen mit schweren psychischen Krankheiten zu melden, vor allem solche, die als nicht mehr arbeitsfähig oder unheilbar eingestuft wurden. Anhand der Meldebögen wurden die Opfer für die geplanten Tötungen ausgewählt. Die Tötungen werden heute als „T-4 Aktion“ bezeichnet, nach dem  Dienstsitz der Zentrale in der Tiergartenstraße 4: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/euthanasie.html ; Robert Domes, Nebel im August, Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa; München 2008, S. 331 f.
  5. Das Gesundheitsamt folgte damit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das am 1.1.1934 in Kraft getreten war. http://www.documentarchiv.de/ns/erbk-nws.html.
  6. StAA, A-5051.6-998/1/2  (Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938). Ebenda. Amtsärztliches Gutachten, Anlage 5, RGBL 1933, S. 1026.
  7. Ebenda. Schreiben Dr. Valentin Schmid, Bezirksarzt am Gesundheitsamt Augsburg-Land an das Erbgesundheitsgericht Augsburg, 13.4.1938.
  8. Erbgesundheitsgericht Augsburg XIII 67/1938, Entscheidung des Erbgesundheitsgerichts am Amtsgericht Augsburg, 24.5.1938. Im Intelligenzerfassungsbogen wurde seitens der Hilfsärztin dem Johannes Mayer sehr wohl die überraschende Fähigkeit beim Nacherzählen von Geschichten attestiert sowie die Fähigkeit, Sprichwörter zu erklären. Er sei sehr an Kinofilmen und am Theater interessiert und würde die gesehenen Stücke gut zu Hause wiedererzählen.
  9. GZ StArchiv-A-5051.6-998/1/2 :Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg, XIII 67,1938:Schreiben von Johann Vasold an das Erbgesundheitsgericht, 24.6.1938
  10. Ebenda, Ärztlicher Bericht  Dr. Haacke, 17.7.1938.
  11. Ebenda.
  12. StAA, Staatsanwaltschaft Augsburg an das Gesundheitsamt Augsburg-Land, 27.2.1939.
  13. Wie Anmerkung 1 oben.
  14. Der Direktor der Kreis-, Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren an das Staatliche Gesundheitsamt Augsburg-Land, 16.3.1939. Oberarzt Dr. Gärtner erbat vom Gesundheitsamt die kurzfristige Überlassung der Sterilisationsakten des Johann Mayer. Erbgesundheitsgericht Augsburg XIII 67/1938: StAA, A-5051.6-998/1/2 Akte.
  15. Sein Name befindet sich auch nicht auf der vom BArch im Bestand R 179 aufgeführten Liste: https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Aus-unserer-Arbeit/liste-patientenakten-euthanasie.pdf?__blob=publicationFile. Laut Auskunft des des Historischen Archivs des BKH Kaufbeuren wurden die Akten von Johann Mayer nach Hartheim abgegeben, allerdings sind sie auch dort nicht auffindbar. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie dort von den Nazischergen sofort vernichtet wurde.
  16. Die „Aktion T4“ ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für die systematische Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland unter der Leitung der Zentraldienststelle Berlin, Tiergartenstraße 4. Vgl. zur Genese der T-4 Aktion insbesondere  Götz Aly, Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte; Frankfurt 2012, S. 42ff.
  17. Das Bundesarchiv hat auf seiner Homepage mittlerweile die Namen der Opfer veröffentlicht, deren Akten dort im Bestand R 179 einsehbar sind: https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Aus-unserer-Arbeit/liste-patientenakten-euthanasie.pdf?__blob=publicationFile. zu den Zahlen aus Kaufbeuren vgl. Hist. Archiv BKH Kaufbeuren: Standbücher der  Zu- und Abgänge Männer 1941, Frauen 1941: https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2017/01/euthanasie-ns-regime-kranke-behinderte-massenmord/seite-3 Unter den mit Johann Mayer am 4. Juni 1941  nach Hartheim deportierten Männer aus der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren befanden sich die folgenden Augsburger: Betzel August, geb. 7.2.1912; Fischer Werner, geb. 16.6.1927; Heinle Johann, geb. 27.6.1906; Henle Ludwig, geb. 15.8.1903; Hutner Ludwig, geb. 23.6.1920; Mittl Wilhelm, geb. 22.11.1902; Port, Richard, geb. 27.9.1878; Schindele Karl, 14.8.1879: https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Downloads/Aus-unserer-Arbeit/liste-patientenakten-euthanasie.pdf?__blob=publicationFile
  18. Auskunft Peter Eigelsberger, Dokumentationsstelle Hartheim, Schlossstraße 1, A-4072 Alkoven vom 2.8.2016 und vom 23.8.2016.
  19. Historisches Archiv BKH Kaufbeuren, Standbücher der Zu- und Abgänge 1941 Männer
  20. Hist. Archiv BKH Kaufbeuren, Sammlung Briefwechsel Faltlhauser mit Angehörigen und  Behörden. Brief der Staatsanwaltschaft beim LG Augsburg an Maria Mayer und Johann Vasold vom 11.6.1941
  21. Hist. Archiv BKH Kaufbeuren, Sammlung Briefwechsel Faltlhauser mit Angehörigen und  Behörden: Brief vom 12.7.1941 von Maria Mayer und Johann Vasold an Faltlhauser.
  22. Auskunft der Friedhofsverwaltung Gersthofen.
Quellen- und Literaturverzeichnis
Unveröffentlichte Quellen:

Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren Historisches Archiv (BKH Kaufbeuren Hist. Arch)

  • Akte Korrespondenz mit Angehörigen, 12.7.1941 und 11.6.1941

Dokumentationsstelle Hartheim, Schlossstraße 1, A-4072 Alkoven
Auskunft Peter Eigelsberger vom 2.8.2016 und vom 23.8.2016

Staatsarchiv Augsburg (StAA)

  • 5051.6-998/1/2, Akten des Erbgesundheitsgerichts Augsburg beim Amtsgericht Augsburg, AZ XIII 67, 1938